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Concerts inédits

Richard Galliano

Dreyfus/Edel Contraire FDM 36606-2
(170 Min., 7/1996, 10/1998, 12/1998) 3 CDs

Nach der aufwändigen, aber etwas düster geratenen Streicherplatte „Passatori“ macht es große Freude, Richard Gallianos unerhört lebendiges Akkordeonspiel wieder in intimeren Besetzungen zu erleben, die seinem Naturell am ehesten entsprechen. Bereits das Trio mit Daniel Humair und dem verstorbenen Jean-François Jenny-Clark erscheint mir eine Spur zu konventionell für Gallianos artistische Virtuosität. Trotzdem eine schöne Ergänzung zu den auf „French Touch“ enthaltenen Studioaufnahmen.
Beim NDR in Hamburg wurde die zweite Duo-CD mit dem vielseitigen Klarinetten-Altmeister Michel Portal mitgeschnitten. Sieben Stücke aus „Blow Up“ wiederholen sich, doch angesichts des experimentellen Charakters dieses Gespanns – in den Tangos greift Portal, dessen Ton sich Galliano manchmal erstaunlich annähert, auch mal zum Bandoneon – sind Alternativen jederzeit willkommen.
Als Herzstück dieser hübsch, doch unpraktisch verpackten Drei-CD-Box (die CDs sind kaum aus ihren Hüllen zu befreien) entpuppt sich das fünfzigminütige Solo-Rezital aus einer Silvesternacht in Orvieto. Hier bricht sich Gallianos überbordendes Musikantentum ohne jede Rücksicht auf Etiketten wie New Musette, Jazz oder Tanzmusik Bahn. Sein schnelles, an überraschenden Wendungen reiches Spiel reißt derart mit, der reiche Klang seines im Stehen (!) traktierten Knopfakkordeons – eher tragbare Orgel als Schifferklavier – wirkt hier so orchestral, dass der Hörer mit weiteren Spielern ohnehin überfordert gewesen wäre. Über dieser Manifestation gallischer Daseinsfreude müssten selbst hartnäckige Gegner des viel gescholtenen Instruments zu glühenden Anhängern konvertieren.

Mátyás Kiss, 31.12.1999



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