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Drift

Michael Blake

Intuition/SMD 7 50447 32132 8
(58 Min., 9/1998, 1/1999) 1 CD

Dem Saxofonisten Michael Blake ist es schon mit seinem vorigen, in kein Genre einzuordnenden Bandprojekt Slow Poke gelungen, seine Hörer nachhaltig zu verwirren. Kein Wunder, hatte er sich doch mit dem "Fake Jazz" der Lounge Lizards und ihrer Nachfolgeband Jazz Passengers einen Namen gemacht. Nun geht er einen Schritt weiter: "Drift" wird von einer kleinen Big Band aus drei Saxofonen, drei Blechbläsern und fünfköpfiger Rhythmusgruppe bestritten, die aber nicht auf allen Titeln vollzählig antritt. Blake schrieb die komplette Musik - bis auf das Hawkins-Cover "Maria" - selbst und fungierte darüber hinaus als Produzent.
Als stilistische Orientierung dienen ihm die offenen Workshops Charles Mingus', den er auf "The Creep" auch notengetreu zitiert. Blake interessieren die herkömmlichen, ausgeschriebenen Arrangements für solche Besetzungen nicht besonders. Er zieht die nur lose vereinbarten "head arrangements" der Swingära vor, die weniger präzise kommen, dafür aber mehr Hitze erzeugen. Seine Leute setzt er vergleichbar spontan als (zuweilen dissonante) Klangfarbe ein wie der "elektrische" Miles. Aber auch den harten, basslastigen Funk James Browns scheint Blake zu lieben - vor allem die oft gesampelten, klingelnden Riffs des Gitarristen Jimmy Nolen haben es ihm angetan.
Überhaupt könnte Blake - selbst ein leidenschaftlicher, gar nicht "weiß" klingender Tenorist, der mich manchmal an den jungen Archie Shepp erinnert - ohne seinen Gitarristen Tony Scherr einpacken, der als zweite Leadstimme agiert. Ohne solche Solisten liefen die auch klanglich holzschnittartigen Aufnahmen dieser modern abgemischten, aber nostalgisch anmutenden Session ernstlich Gefahr, auseinanderzudriften.

Mátyás Kiss, 11.01.2001



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