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Jean Sibelius, Peter Iljitsch Tschaikowski, Henryk Wieniawski

Violinkonzerte

Jascha Heifetz, London Philharmonic Orchestra, John Barbirolli, Thomas Beecham

Naxos 8.110938
(78 Min., 3/1937, 3/1935, 11/1935, 12/1935) 1 CD

"Jetzt können wir unsere Geigen wegwerfen", das war der Kommentar des Virtuosen Fritz Kreisler, als er 1912 das Berlin-Debüt eines Elfjährigen miterlebt hatte. Der Name des Jungen: Jascha Heifetz, geboren 1901 im litauischen Wilna, ein Wunderkind, das bereits mit drei Jahren die Geige als liebstes Spielzeug ansah und mit sieben öffentlich Mendelssohns Violinkonzert spielte. 1917 floh die Familie Heifetz vor der Oktoberrevolution in die USA. Am 27. Oktober des Jahres gab der junge Virtuose sein Amerika-Debüt in der Carnegie-Hall und war sofort das neue Musik-Idol der Staaten.
Zwei Wochen danach fand Heifetz den Weg in die Studios der Firma Victor und legte den Grundstein für seine zweite Karriere als Schallplattenstar. Als sich Heifetz 1972 von seinem Publikum verabschiedete, hatte er eine der umfangreichsten Diskografien eingespielt, die es von einem klassischen Künstler gibt. Und er hat dabei alle Stationen der Fonografie durchlaufen: vom frühen Schellack bis zur HiFi-Stereo-LP.
Die CD dokumentiert einen interessanten Punkt in Heifetz' Karriere, denn sie enthält seine frühesten Konzertaufnahmen – darunter die erste Aufnahme des Sibelius-Violinkonzerts überhaupt. Der damals siebzigjährige Sibelius hätte lieber den Widmungsträger des Stückes, den ungarischen Geiger Franz von Vecsey, bei dieser Premiere gehört, doch der starb überraschend 1935, und so machte sich Heifetz an diese Aufgabe, die nicht ganz frei von Schwierigkeiten war: Eigentlich sollte das Stück unter Leopold Stokowski mit dem Philadelphia-Orchester aufgenommen werden, doch Dirigent und Solist gerieten sich wegen der Tempi in die Haare. So baute Heifetz, bis dahin eigentlich Künstler der Firma Victor, ganz auf seine englischen Kontakte zu späteren Firma EMI, deren Archiven die drei Konzerte dieser CD entstammen.
Die Einspielungen sind hörenswert, zumal Heifetz wieder einmal das nicht totzukriegende Vorurteil widerlegt, er sei ein kalter, nur technisch versierter Geiger. Heifetz entfaltet viel geigerische Seele - und zeigt durch sein immenses Können den Königsweg des Violinspiels, den viele heutige Virtuosen verfehlen und sich in Kitsch verirren - ich denke da vor allem an Anne-Sophie Mutter.
Leider ist die Fertigung des Covers fehlerhaft: Auf dem Titel werden fälschlich Aufnahmen aus den Jahren 1934 bis 1937 angekündigt.

Oliver Buslau, 08.03.2001



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