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L‘imparfait des langues

Louis Sclavis

ECM 1954/Universal 06024 987 7897
(56 Min., 4/2005) 1 CD

Mit den herkömmlichen Kategorien lässt sich die Musik von Louis Sclavis schon lange nicht mehr fassen. Meist verschmilzt er Melodien, die so schön und abgerundet sind, dass sie von Volksliedern stammen könnten, mit Jazz, freien Improvisationen und einer an Ernste Musik erinnernden Strenge. Diesmal hat er mit dem Gitarristen Maxime Delpierre einen Mann in die Band geholt, der auch in einer Hard Rock- oder Avantgarde-Rock-Band bestehen könnte. Seine übersteuerten, dabei wohlgeformten Sounds bilden spannungsreiche Kontraste zu Sclavis’ Melodien auf Bassklarinette, Klarinette und Sopransaxofon sowie Marc Barons Altsaxofon. Paul Brousseau mengt Keyboard- und Gitarrensounds, Samples und Geräusche ins Geschehen, und der Schlagzeuger François Merville steuert einen feinnervigen Puls bei. Diesen Pool nutzt Sclavis für unterschiedliche Besetzungen, wobei er sich etwa in "Archéologie" über weite Passagen so sehr zurückhält, dass sich das Geschehen auf zwei Gitarren, Schlagzeug und Geräusche beschränkt. Obwohl Mitwirkende und Instrumente häufig wechseln, entstanden bei der Session 14 Titel mit einem gemeinsamen Ensembleklang. Dabei ist die Band in "Palabre" jener Musik am nächsten, die in den 1980er Jahren als "imaginäre Folklore" Furore machte: einer fröhlichen Mixtur aus starken Melodien und einem kräftigen Tanzrhythmus. Mit "L’écrit sacrifié" hingegen begeben sich die beiden Bläser in pointilistische Improvisationsgefilde. Diese Platte ist voller wunderbarer Überraschungen.

Werner Stiefele, 02.03.2007



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