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Coral

David Sánchez

Columbia/Sony 517 368 6
(57 Min., 4/2003) 1 CD

Für den puertoricanischen Saxofonisten David Sánchez wurde ein Traum war, als er mit den Prager Philharmonikern ins Studio gehen konnte. Endlich ein Album mit Streichern, ja manchmal sogar mit einem vollen Sinfonieorchester. Seine eigene Band hat er auch mitgebracht, und so entstand genau das, was eine derartige Kombination erwarten lässt: David Sánchez bläst schöne, sanft geschwungene Melodien, die Rhythmusgruppe unterlegt federnde Bewegungen und das Orchester füllt mit weichen Sounds nach. Carlos Franzetti hat sie ausgesetzt - aber über die üblichen Klischees ging er selten hinaus. So bleibt belanglos, was die Streicher, Holz- und Blechbläser, oft sogar auch die Mitglieder der Begleitband treiben. Schade, dass Jazzmusiker die Tradition der Orchestermusik so sehr missachten und darauf verzichten, für ihre Orchesterproduktionen erfahrene und qualifizierte Orchesterkomponisten zu engagieren. Denn dieser große Klangkörper taugt wahrlich für mehr als für Hintergrund- und Füll-Gesäusel. So bieten auf "Coral" einzig die Pianosoli von Edsel Gomez und die Soli von David Sánchez Hörreize. Insofern ergeht es David Sanchez ähnlich wie Charlie Parker, der "with strings" die beseeltesten Soli seiner späten Jahre blies, jedoch weit entfernt von der Produktion eines Meisterwerks blieb. Davor bewahrt ihn auch nicht, dass er Themen von Heitor Villa-Lobos, Antonio Carlos Jobim und Alberto Ginastera verwandte.

Werner Stiefele, 23.10.2004



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