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Jazz - A Film By Ken Burns Vol. 1 - 4

Diverse

Allianz/in-akustik
(700 Min.) 4 DVDs

Eine bessere Film-Dokumentation der ersten 50 Jahre Jazzgeschichte gibt es derzeit nicht. Ken Burns zwölfzeilige Fernsehserie hatte zwar zur Jahrtausendwende für heiße Debatten gesorgt, doch nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt haben, bleibt nur eins: ein dickes Lob. Für zwölf Folgen von je etwa einer Stunde Spieldauer trug der amerikanische Filmemacher Ausschnitte aus Filmen, historischen Interviews und Konzerten zusammen, koppelte sie mit Straßenszenen, Fotos aus Klubs und aktuellen Interviews und entwarf so ein faszinierendes, appetitanregendes und informatives Bild der Jazzentwicklung bis zu Free Jazz und Fusion. Schade, dass die Darstellung hier abbricht - aber ab diesem Zeitpunkt spaltet sich die Jazzgeschichte in Teilgeschichten verschiedener parallel existierender Stile auf. Zu verfolgen, wie sich der Jazz ab 1970 entwickelte, wie der Einfluss klassischer Musik stieg, wie sich der Mainstream weiter entwickelte, wie sich in Europa Sonderentwicklungen Bahn brachen, wie Weltmusik für neue Veränderungen sorgte und der swingende Jazz ein Revival feierte, wäre eine lohnende Aufgabe für zehn weitere Folgen. Wer andererseits erfahren möchte, welche Leistung Musiker wie Duke Ellington, Louis Armstrong oder Fletcher Henderson vollbracht haben und wie Benny Goodman dem Swing wesentliche Impulse verlieh, der erhält unermesslich viele Informationen und Anregungen zur eigenen Weiterbeschäftigung mit dem Thema. Die amerikanische Version wurde bereits 2000 auf zwölf DVDs veröffentlicht. Die europäische ist - wahlweise - von deutschen und französischen Sprechern synchronisiert. Leider unterliefen bei der Übersetzung kleinere, den Sinn entstellende Fehler. So heißt es zum Beispiel über Freddy Keppard, er habe einen "Laugh Dämpfer" verwendet - im amerikanischen Original sagt Wynton Marsalis, er verwende einen Dämpfer, um den Gelächter-Effekt von Freddie Keppard nachzuempfinden. Solche Kleinigkeiten sind jedoch unwesentlich, zumal der amerikanische O-Ton ebenfalls beim Abhören der DVD einzustellen ist. Wer dann noch nachlesen möchte, sollte sich das 2001 erschienene Buch “Jazz - eine Musik und ihre Geschichte” besorgen. Es enthält die im Film gegebenen Informationen in einer liebevoll aufgemachten Printversion (ECON-Verlag, ISBN 3-430-11609-0).

Werner Stiefele, 24.04.2004



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