Responsive image

Jazz At The College Of The Pacific, Vol. 2

Dave Brubeck-Quartet

Fantasy/ZYX OJCCD-1076-2
(58 Min., 12/1953) 1 CD

Brubecks bereits dritter Auftritt im kalifornischen "College Of The Pacific" war nicht irgendein "Gig": Er hatte dortselbst Musik studiert. Ein anderthalbminütiges Fragment am Schluss der CD illustriert dies: In den Räumen seiner Alma Mater improvisierte Brubeck 1942 über "I've Found A New Baby" - stilistisch naturgemäß noch nicht gefestigt, aber technisch bereits virtuos.
Der Rest der Aufnahmen zur neben "Jazz At Oberlin" wohl aufregendsten seiner frühen Platten, deren erster Teil seit immerhin achtundvierzig Jahren permanent verfügbar ist, verzeichnet gegenüber dem Vorgänger keinerlei Nachlassen der Intensität. Dass die bisherigen CD-Wiederauflagen von einigen der besten Einspielungen nicht nur Brubecks, sondern des Jazz überhaupt, keine Bonustitel enthielten, ist kaum auf deren mangelnde Güte oder prinzipielle Nichtexistenz, sondern mehr auf die einschüchternde Fülle an hervorragenden Dokumenten der Zusammenarbeit Brubecks mit Paul Desmond zurückzuführen. Auf der Bühne, im Zuge ihrer vor Spielwitz sprühenden Chorusse über im Schlaf geläufige Standardharmonien, fanden sie durchweg zu einer dichteren Interaktion als auf den im Studio entstandenen Konzeptalben, die in aller Regel Erstaufnahmen (wirklich origineller) Brubeck-Originals enthielten.
Der Clou des denkwürdigen Auftritts im "College Of The Pacific" bestand darin, dass der neue Schlagzeuger des Quartetts, Joe Dodge, sich gerade zum ersten Mal einem Publikum präsentierte. Seine engagierten Beiträge, mit denen er das Quartett drei Jahre lang versorgte - vor allem die einst von Kenny Clarke eingeführten "Bombenabwürfe" mit der Basstrommel - kann man dank hervorragendem Remastering jederzeit gut verfolgen.
Bassist Ron Crotty hingegen, ein solider Swinger und seit den experimentellen Oktett-Aufnahmen von 1948 fast ohne Unterbrechung bei Brubeck, absolvierte gerade seine letzten Tage mit dem Quartett: Er wurde um den Jahreswechsel nacheinander von den Brüdern Bob und Norman Bates abgelöst.

Mátyás Kiss, 14.11.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top