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Muzio Clementi

Sonaten, Präludien, Fantasien

Andreas Staier

Teldec/Warner Classics 3984-26731-2
(67 Min., 2/1999) 1 CD

Einen "Ciarlattano" ohne Tiefgang und Geschmack nannte ihn Mozart, und so ganz hat sich Muzio Clementi im Urteil der Nachwelt nie von dieser Schelte erholt. Vielleicht nahm man ihm auch übel, dass er sowohl Mozart als auch Beethoven überlebte und zu allem Überfluss durch seinen hervorragend entwickelten Geschäftssinn auch noch viel Geld verdiente. Zur großen Heerschar der "zu Unrecht Vergessenen" muss man Clementi dennoch nicht rechnen, denn immer wieder erweisen ihm namhafte Pianisten ihre Reverenz, unter ihnen Horowitz und nun Andreas Staier. Außerdem kennt jeder geplagte Klavierschüler Clementis Sonatinen.
Warum man Clementi nicht einfach als Kleinmeister abtun kann, demonstriert Staier eindrücklich an den drei Sonaten dieser CD. Die thematische Arbeit ist bündig, konzise und mit Kontrapunktik unterfüttert, gleichzeitig jedoch mit vielen originellen Details aufgelockert, die in der Tradition Scarlattis stehen. Clementi meidet Floskelhaftigkeit bis hin zur Exzentrik, wenn er nämlich das Finale der Sonate f-Moll op. 13,6 einfach im Sande verrinnen lässt. An Beethoven gemahnt die g-Moll-Sonate op. 34,2, und überhaupt scheint Clementi eine Vorliebe für elegische bis dramatische Moll-Bereiche zu hegen. Den Routinier Clementi zeigen dann eine Fantasie über ein französisches Kinderlied, ein Capriccio und zwei Präludien "alla" Haydn und Mozart.
Dass Clementi an die ganz Großen denn doch nicht heranreicht – dazu mangelt es ihm letztlich an melodischer Erfindungsgabe –, schmälert nicht den Genuss an dieser Einspielung. Andreas Staier hält ein überzeugendes Plädoyer für den für die Entwicklung der Klaviermusik so wichtigen Komponisten, und dies auf genau dem passenden Instrument: einem Londoner Broadwood-Flügel von 1802. Clementi lebte in London, war selbst Hersteller von Klavieren, und, wer weiß, vielleicht hat er ja auf genau diesem Instrument gespielt.

Thomas Schulz, 12.10.2000



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