Wer je bei einem Festival Alter Musik einem Konzert mit Sonaten aus dem venezianischen Frühbarock oder einer Matinee für Gambe solo gelauscht hat, der wird bei dieser CD froh aufatmen. Auch der Barock hatte nämlich sein “Easy listening”, und der entdeckungsfreudige Reinhard Goebel hat es mit dieser Platte auf den Tisch gebracht - die “Sonata pro tabula”, die Sonate für die Tafel, mit der Meister wie Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Heinrich Schmelzer ihren fürstlichen Herren das Speisen versüßten.
Und da den kapellmeisterlichen Lakaien am Wohl ihrer feudalen Arbeitgeber gelegen sein musste, geht es hier gemächlich, schlicht, dezent zu - aber nie langweilig. Denn natürlich kann Goebels Musica Antiqua, hier zusammen mit den Blockflöten vom Flandrischen Flötenquartett, einen solchen Ohrenschmaus delikat ausmusizieren. Wer also je sein Brot mit Tränen aß, kaufe diese Platte, lade die Liebsten zum Mahl im Kerzenschein - und danke still, dass solche Freuden inzwischen auch uns Bürgerlichen offen stehen.

Stefan Heßbrüggen, 31.03.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Reisebeschränkt: Wer würde jetzt nicht gerne dem Alltagseinerlei entfliehen, etwa unter die Sonne Italiens? Auch der junge Johann Sebastian Bach muss sich für seine Sehnsucht nach Italien aufs virtuelle Gastspiel bescheiden, denn über die Alpen schafft er es zu Lebzeiten nie. Wobei er dabei auch weniger an Strände, Tempel und Sprizz gedacht hat, als an die aufregenden musikalischen Impulse, die von der jungen Konzertform ausgingen. Virtuoser Biss, leidenschaftlicher Überschwang, Balance […] mehr »


Top