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Béla Bartók, Franz Liszt

Klavierkonzerte Nr. 3, Nr. 1

Dinu Lipatti, Orchester des SWR, Paul Sacher, Orchestre de la Suisse Romande, Ernest Ansermet

EMI 5 67572 2
(70 Min., 10/1947, 6/1947, 5/1948) 1 CD

Bartók starb 1945 an Leukämie, der gleichen Krankheit, der Dinu Lipatti fünf Jahre später erliegen sollte. Bartóks drittes Klavierkonzert ist ein milder Abschied, und auch wenn man die Parallelen nicht überstrapazieren will, ist zu verstehen, dass sich Lipatti von einem Stück angezogen fühlte, dem der Vitalismus früherer Kompositionen so ergreifend zu entweichen scheint.
Lipatti fand hier einen Stil, der nicht weiter entfernt sein könnte von der glänzenden Geschmeidigkeit seiner Studioaufnahmen. Der karge Ernst des zentralen "Adagio religioso" scheint allen fortstrebenden Bewegungsdrang, der dem Werk noch geblieben ist, eigentümlich zu lähmen. Noch das flotte Thema des Finales oder sein munter imitierender, neobarocker Seitengedanke werden in eine grüblerisch kreisende Bahn gezwungen, aus der sich auch der Vogelstimmen-Mittelteil des Adagio nicht löst.
Franz Liszts Es-Dur-Konzert unter Ernest Ansermet zeigt einen ganz anderen Lipatti. Wer hinter den rauschenden Vorhang einer entsetzlichen Aufnahmequalität dringt, den erwartet am Beginn des "Quasi adagio" ein Wunder. Die dem Geiste chopinscher Nocturnes entspringende Kantilene singt Lipatti hinreißend aus, doch eigentlich betörend werden diese Takte durch ein unnachahmlich differenziertes Abtönen der weit ausholenden Begleitfigur. Kein Richter, keine Argerich und kein Arrau beleben den harmonischen Reichtum der lyrischen Passagen des Konzertes so vollendet schön. Den Schluss legt Lipatti so übermütig flüssig und leichtgewichtig hin, als wolle er sich über die hier übliche donnernde Schlussoffensive etwas lustig machen. Weltläufig-eleganter als in diesem zu Recht legendären Mitschnitt hat Liszt selten geklungen.

Matthias Kornemann, 01.02.2001



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