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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Karl Weigl

Streichquartette Nr. 1 und 5

Artis Quartett

Nimbus/Naxos NI 5646
(70 Min., 12/1999) 1 CD

Hier gilt es, ein weiteres Mitglied aus dem Club der halbvergessenen Spätromantiker kennenzulernen: Karl Weigl aus Wien, 1881 geboren, wurde zu Lebzeiten von so unterschiedlichen Musikern wie Strauss, Furtwängler und Schönberg geschätzt, und seine im besten Sinne konservative, in der Wiener Tradition stehende Musik kam auch beim Publikum gut an. 1938 musste Weigl emigrieren; die letzten Jahre seines Lebens, er starb 1949, verbrachte er in den USA.
Im Gegensatz zu seinen Generationsgenossen Zemlinsky und Schreker hat Weigls Schaffen jedoch bis jetzt keine Wiederentdeckung erfahren. Insofern betritt das Artis-Quartett mit dieser Einspielung echtes Neuland. In seinem Ersten Quartett von 1904 spricht Weigl voll und ganz die Sprache seiner Zeit; das Werk trägt tragischen Charakter und lässt an die kammermusikalischen Schöpfungen des frühen Schönberg denken. Weigls Musik weist jedoch durchaus eigene Physiognomie aus; nie wird die Tonalität so weit ausgedehnt wie bei Schönberg oder auch Zemlinsky. Die Ernsthaftigkeit und handwerkliche Meisterschaft des Dreiundzwanzigjährigen in diesem Werk lassen staunen. Das 1933 vollendete Quartett Nr. 5 ist dann die Schöpfung eines Komponisten, dem die musikalische Gegenwart herzlich egal ist und der sich weit weg in die Zeit Schuberts zurücksehnt – ein nostalgisches stillvergnügt-unprätenziöses Werk, kompositorisch überzeugend gearbeitet.
Die Begegnung mit Weigl ist also recht erfreulich, und das Artis-Quartett setzt sich mit hörbarem Enthusiasmus für seine Entdeckung ein. Doch selbst die virtuosen und seelenvollen Interpretationen des Ensembles vermögen mich nicht zu überzeugen, dass es sich bei Weigl, so sympathisch dessen Musik auch anmutet, um eine ähnliche künstlerische Größe handelt wie etwa Alexander Zemlinsky, von dessen Quartett-Kompositionen ebenfalls vorbildliche Interpretationen des Artis-Quartetts vorliegen.

Thomas Schulz, 17.08.2000



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