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William Walton

Coronation Te Deum, Missa Brevis, Jubilate Deo, Cantico del Sole, The Twelve u.a.

Christopher Robinson, Chor des St. John's College Cambridge, Christopher Witton

Naxos 8.555793
(67 Min., 7/2001) 1 CD

Am 29. März wäre William Walton hundert Jahre alt geworden. Wurde der als junger Mann erfolgsverwöhnte Komponist gegen Ende seines Lebens trotz aller empfangenen Ehrungen inklusive Erhebung in den Adelsstand relativ vernachlässigt - seine Musik galt als nicht mehr "modern" genug -, so erfreut er sich heute wieder wachsender Beliebtheit. An Waltons Status als Grandseigneur der britischen Musik des 20. Jahrhunderts ist nichts mehr zu rütteln.
Die Assoziationen, die man mit dem Wort "Grandseigneur" gemeinhin verknüpft, sind hier durchaus gewollt: Waltons Musik atmet ein Selbst- und Prachtbewusstsein, eine Noblesse, wie sie zum Beispiel den Werken Brittens und Tippetts fehlt. Dafür hat Walton jedoch, im Gegensatz zu diesen beiden, selten die Abgründe der Psyche gestreift; seine Musik ist ganz und gar diesseitig, lebensbejahend, hedonistisch.
Das gilt besonders für seine Chormusik. Zum Chorklang hatte Walton, wie so viele britische Komponisten, eine besondere Neigung, verbrachte er doch selbst seine Jugendjahre als Sänger im Chor der Christ Church Cathedral in Oxford. Waltons frühreife Begabung zeigt sich in dem kurzen Stück "A Litany: Drop, Drop Slow Tears", das er mit fünfzehn Jahren vollendete. Hier steht er bereits als fertiger Komponist vor uns.
Seinen athletischen, energischen Chorstil - gewürzt mit aparten, gelegentlich auch pfefferminzigen Harmonien - hat er im Laufe der Jahre nicht wesentlich verändert. Auch geistlichen Werken wie der "Missa Brevis" oder "Magnificat und Nunc Dimittis" eignet nicht die kleinste Spur religiöser Andacht, ebenso wenig wie seinem großen Oratorium "Belshazzar's Feast". Hier stellt sich ein Genussmensch in den Dienst der Kirche.
Christopher Robinson profiliert sich in dieser Aufnahme erneut als einer der versiertesten Chordirigenten des Inselreichs; der von ihm geleitete Chor aus Cambridge hat genau den schlanken, sehnigen Klang, den es für die Musik Waltons benötigt, und die Wahl von Knaben- anstatt Frauenstimmen trägt zu zusätzlicher Transparenz bei. Kein Freund der Chormusik sollte an dieser Einspielung vorbeigehen, und für Freunde der Musik Waltons ist die CD ohnehin ein Muss.

Thomas Schulz, 21.03.2002



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