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N° 1289
21. - 27.01.2023

nächste Aktualisierung
am 28.01.2023



"Gutes Rädchen, summ' und brumm'", "Ach, lieber Südwind, blas noch mehr", "Halloho", "hohohe", "Huussahe" und "Jägerglück": Man kann wohl kaum bestreiten, das Wagners "Holländer" für unsere heutigen Ohren so seine Biederkeiten hat. Will man Peinlichkeiten und unfreiwillig Komisches umschiffen, dann braucht man eine ganz unbiedere, eine überzeugende und unmittelbar ansprechende Darbietung. Dieser 1955er Live-Mitschnitt aus Bayreuth erfüllt solche Anforderungen nur zum Teil. Nicht mehr genießbar ist der schreckliche Frauenchor-Jammer in der Spinnstube: Es vibriert und tremoliert nach Herzenslust, immer wieder platzen Einzelstimmen heraus. Kaum noch vermittelbar scheint dem Rezensenten auch Astrid Varnay als Senta: 1918 geboren, präsentiert sie sich doch allzu früh nur noch mit Rudimenten einst sicher vorhandener stimmlicher Reize, stattdessen mit schwerfällig-kloßiger Stimmgebung und vielen erst nachträglich auf die richtige Höhe gelifteten Tönen. Die Attribute eines jungen Mädchens lassen sich so nicht transportieren, stattdessen treten jene spießigen Wagnergesang-Attitüden der Vergangenheit zu Tage, die man eigentlich gern vergessen würde. Insofern passt die Senta dieser Aufnahme eigentlich eher zu ihrem Erik, dem keineswegs befriedigender agierenden Rudolf Lustig, als zum Holländer, der, verkörpert von Hermann Uhde, wirklich ein ganzer Kerl ist: Wenn es Gesangsleistungen ohne Verfallsdatum gibt, dann gehört diese dazu. Kernig und männlich, gut fokussiert, metallisch und schlank, ohne überflüssige sprachliche Hypertrophien, aber meistens hervorragend verständlich schleudert er seine Antrittsarie in den Zuschauerraum - ein Heldenbariton der Sonderklasse, dieser leider nur spärlich dokumentierte Sänger. An ihn reicht allenfalls noch Ludwig Weber als Daland heran. Ein mehr als durchwachsener "Holländer" also, der sicher ein wertvolles Bayreuth-Dokument darstellt, sich aber kaum zum Kennen- und Liebenlernen dieser Oper eignet.

18.08.2006



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