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Hugo Wolf

Mörike-Lieder

Frauke May, Bernd Renzikowski

Arte Nova/BMG 74321 97127 2
(159 Min., 3/2002 - 5/2002, 2/2003 - 7/2003) 1 CD

Man muss gar nicht erst die Einzigartigkeit von Dietrich Fischer-Dieskaus Aufnahme der Mörike-Lieder mit Gerald Moore (EMI) bemühen, um Mängel an Frauke Mays Interpretation dieses Zyklus zu konstatieren, denn ihre Probleme setzen auf einer viel elementareren Ebene als derjenigen der differenzierten Gestaltung dieser diffizilen Gesänge ein: Frauke May hat ihre zweifellos opulente Mezzosopran-Stimme nicht optimal im Griff - Registerprobleme werden u. a. am Anfang von "Er ist’s" deutlich hörbar und lassen sich auch nicht durch effektvollen Einsatz des Brustregisters wie etwa im "Feuerreiter" veredeln - und bringt es daher nicht zu jenem unproblematischen Lagen- und Vokalausgleich, auf dessen Basis sich dann ganz frei gestalten ließe. Stattdessen entstehen häufig etwa Intonationsprobleme durch Inkonsistenz des Stimmsitzes, und ein zur baldigen Ermüdung des Hörers führendes, permanent eingesetztes Portamento nicht nur an Phrasen-, sondern auch an vielen Wortanfängen wird schnell als Masche erkennbar, deren Omnipräsenz der Interpretin möglicherweise sogar entgeht. Auf gestalterischer Ebene vermittelt sich dann nur äußerst selten jener feine Humor Mörikes, der, kanalisiert durch Wolfs genial-sensible Vertonungen, eigentlich jedem guten Sänger eine dankbare Vorlage zu kreativer künstlerischer Umsetzung bietet. Stattdessen geraten der Sängerin viele der poetischen und musikalischen Subtilitäten eher grob. Und dies alles, so musste schon anlässlich der Aufnahme von Regers "Schlichten Weisen" festgehalten werden, trotz guter stimmlicher Anlagen, die aber erneuter Aufmerksamkeit und Pflege bedürften, um für ein Sängerleben auf höherem Niveau tragfähig sein zu können.

Michael Wersin, 14.02.2004



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