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Charles-Marie Widor

Orgelsinfonien Nr. 5 und 10

Christian von Blohn

Arte Nova/BMG 74321795872
(65 Min., 5/2000) 1 CD

Es gilt, eine Sensation zu vermelden: Es gibt tatsächlich Niedrigpreis-Orgel-CDs, die interpretatorisch und klangtechnisch mit hochpreisigen Produkten konkurrieren können und die zudem ein Instrument präsentieren, das eine echte Entdeckung darstellt. Es gibt zumindest eine solche CD: nämlich diese Einspielung von Widors Orgelsinfonien Nr. 5 und Nr. 10 (die erste, für die ich solch uneingeschränktes, begeistertes Lob aussprechen kann!).
Eigentlich hat Charles Widor diese Werke für die großartigen französischen Kathedral-Orgeln des in Fachkreisen raunend gerühmten Monsieur Cavaillé-Coll komponiert. Dort, in Orléans und Rouen, werden sie dann auch meistens eingespielt, was zu einer bedauerlichen Klangmonokultur geführt hat. Der Organist Christian von Blohn hat für diese Aufnahme die Chance genützt, sein Hausinstrument vorzustellen, die 1933 gebaute Späth-Orgel von St. Ingbert Speyer. Mit 52 Registern von mittlerer Größe, vereint die Orgel französische und deutsche Klangcharakteristika auf eine überaus spannende Art und Weise französisch weich und voll und doch mit soviel teutonischem Glanz, dass einen die berühmte Bravour-Toccata aus der fünften Orgelsinfonie aus den Lautsprechern förmlich anspringt.
All diese Tugenden würden natürlich nichts nutzen, wenn nicht von Blohn ein wahrer Temperamentsbolzen wäre, der den hochromantischen Pomp der fünften mit viel Gusto ausspielt, die strengere Tonsprache der späten zehnten Sinfonie mit der rechten Mischung aus Würde und Spritzigkeit zum Leben erweckt. Zu loben ist schließlich auch der Aufnahmeleiter Thomas Beck, der die sonst in diesem Marktsegment typischen Qualitätseinbußen findig vermieden hat. Acht weitere Widor-Sinfonien und viele großartige Instrumente der deutschen Orgelromantik warten darauf, von diesem Traumduo wachgeküsst zu werden.

Stefan Heßbrüggen, 14.12.2000



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