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Frédéric Chopin

Cello-Sonate op. 65, Transkriptionen

Truls Mørk, Kathryn Stott

Virgin/EMI 3 85784 2
(74 Min., 9/2006) 1 CD

Der Klassik-Download früherer Zeiten fand im Wohnzimmer statt. Durch Hausmusik. Wer eine Opernarie oder ein Chopin-Virtuosenstück nicht bewältigte, konnte den Schwierigkeitsgrad durch Duo-Arrangements verringern – eine Erleichterung, die Truls Mørk und Kahtryn Stott freilich kaum nötig haben. Ihren Transkriptionen einiger Chopin-Piècen (darunter Préludes op. 28 Nr. 4 und Nr. 6, Etudes op. 10 Nr. 6 und op. 25 Nr. 7, Nocturnes op. 55 Nr. 2 und op. 72 Nr. 1) geht es eher darum, Chopins allzu wenige Cellowerke, also die Sonate op. 65 und "Introduction et Polonaise brillante" op. 3 ein wenig zu ergänzen.
Es ist ein Album von eklektischem Charme entstanden, das als heutige Kaffeehausmusik willkommen ist. Mit schürfendem Ton, kantabler Linienführung und kühlem Understatement gelingt es Truls Mørk, den Ennui eines Salons am Spätnachmittag mit seiner Stickigkeit und seinem Cognacduft spürbar zu machen – ohne den Griff zur Flasche direkt herauszufordern. Es sind von Schönheit trunkene, selbstverliebt gefühlvolle Elegien des 19. Jahrhunderts, die durch die Mischung aus Décadence und Frische hier durchaus geschmackvoll anmuten.
Truls Mørk, von Haus aus kein Temperamentsbündel, wird von Kathryn Stott vorteilhaft angestachelt und mit leicht flirrender Grandezza ins Zwielicht gerückt. Es ist fast wie bei Fred Astaire und Ginger Rogers: Er gibt ihr Seriosität, sie ihm Sex. Da wir in den von Glazunov oder Taneyev hergestellten Bearbeitungen nicht unbedingt auf heiligem Land wandeln, scheint dies nie unstatthaft frivol oder überflüssig. Eine sehr genießbare, entspannte Bereicherung der Chopin-Ecke.

Robert Fraunholzer, 09.11.2007



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