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Antonio Vivaldi

Gloria, Dixit Dominus, Magnificat

Chor des King's College Cambridge, Academy of Ancient Music, Stephen Cleobury

EMI 5 57265 2
(68 Min., 3/2001 - 7/2001) 1 CD

Eigentlich müsste dieser Chor prädestiniert sein für die geistlichen Werke von Vivaldi. Staunend hörten die Besucher Venedigs, wie die Musik (allerdings in zum Teil anderen Fassungen als den hier eingespielten für gemischten Chor) von den jungen Schülerinnen der venezianischen Konservatorien aufgeführt wurden. Nun handelt es sich auch beim Chor des King's College Cambridge um eine international renommierte Institution, die Ausbildung und anspruchsvollste Aufführung verbindet und dabei regelmäßig musikinteressierte Touristen in den Gottesdienst lockt.
Dennoch fügt diese Einspielung der drei ganz großen und im Falle von "Gloria" und "Dixit dominus" dabei sogar doppelchörigen Vokalwerken des rothaarigen Priesters nichts bemerkenswert Neues oder gar Authentisches hinzu. Beim ersten Hineinhören in das prächtige Magnificat dämmerte ich angenehm weg, bis anmutige, delikat phrasierte Oboenklänge meine Aufmerksamkeit fesselten. Schon wollte ich mich im Pastoralrhythmus wiegen, als die Solisten mit dem überraschenden Text einsetzten: "Sicut locutus est": Sprach der Ewige wohl so sanft und gepflegt zu Abraham und unsern Vätern?
Vielleicht gibt es der Herr den Seinen im Schlaf, doch auch im Wachen verstand ich nicht, welche Bedeutung etwa die harmonischen Vexierspiele im Gloria haben - es fehlte jener Grad innerer Beteiligung, sei es des Staunens oder der Andacht, der über die belebte Mitteilung des imponierenden Notentexts hinausgeht.
Dass die hohen Kinderstimmen nicht die Brillanz haben, die man von diesem Ensemble erwarten könnte, wäre ebenfalls zu verschmerzen, wenn statt dessen ein stärkerer rhetorischer Impetus herrschen würde. Die unaufdringlich versierten Sopranistinnen Sarah Fox und Deborah Norman wirken etwas gebremst, der Altus Michael Chance bewältigt seine Belcanto-Partie englisch herb aber geläufig, James Gilchrist (Tenor) und Jonathan Lemalu (Bass) singen beherzt, doch mit einer winzigen Tendenz zum Schlackern in der Koloratur.
Auffällig brillant sind dagegen die Trompeten (mit zwei interessanten Glissandi, von denen ich nur gerne wüsste, von welchem aufführungspraktischen Traktat sie erlaubt werden), wie überhaupt die Academy of Ancient Music der inspirierendste Moment der Einspielung ist.

Carsten Niemann, 25.04.2002



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