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Robert Schumann

Sinfonien Nr. 1 & 3

Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

harmonia mundi HMC 901972
(64 Min., 12/2006) 1 CD

Zehn Jahre ist es her, dass Philippe Herreweghe seine Einspielungen der Schumannsinfonien Nr. 2 und 4 vorlegte. Zum Zyklus rundete sich das Projekt damals nicht – wohl auch, weil das Publikum den Flamen damals noch vor allem mit Barock und Chorsinfonik verband. In den letzten Jahren hat sich Herreweghe freilich zusehends als Brucknerdirigent profiliert, und der große sinfonische Atem von dessen "Romantischer" durchweht auch die jetzt doch noch vorgelegte Aufnahme der fehlenden Schumannsinfonien Nr. 1 und 3. Anders als Gardiner, der in seiner Referenzaufnahme die quecksilbrige Seite Schumanns in den Vordergrund rückte, betont Herreweghe die klassische Bodenhaftung des Romantikers. Tuttiakkorde begreift er nicht als Energieausbrüche, sondern als massive Quadersteine, die das Fundament der sinfonischen Architektur bilden. Die Tempi sind gemessen, in der "Frühlingssinfonie" sprießen die Knospen nur zögerlich, in der "Rheinischen" begreift Herreweghe den Kopfsatz eher feierlich als überschwänglich. Der Gewinn von Herreweghes Ansatz liegt im Detail: Das durchsichtige, aber zugleich warme Klangbild der Originalinstrumente lässt viele normalerweise verdeckte Mittelstimmen ans Licht treten, das fabelhafte Orchestre des Champs-Elysées schlägt einen unaffektierten, liedhaften Gesangston an, der ein plausibles Gegengewicht zur Großform bildet. Eine Schumannsicht, die umso stärker überzeugt, je öfter man sie hört.

Jörg Königsdorf, 02.06.2007



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