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Robert Schumann

Die Lieder Robert Schumanns, Folge 4

Oliver Widmer, Stella Doufexis, Graham Johnson, The London Schubert Chorale

Hyperion/Koch CDJ33104
(77 Min., 11/1998) 1 CD

Vor wenigen Jahren erst hat der Pianist Graham Johnson seine Aufnahme sämtlicher Schubert-Lieder mit den führenden Liedinterpretinnen und -interpreten unserer Tage zum Abschluss gebracht; nun befindet er sich mit der Einspielung aller Schumann-Lieder einschließlich der Duette, der Kompositionen Claras und der Chorsätze bereits mitten in einem neuen Großprojekt.
Ganz aktuell ist Johnson auch in seiner Schumann-Edition bei der Wahl der Sänger: Für den vierten Teil, der unter anderem die Zyklen op. 37, op. 45 und op. 51 enthält, gewann er die Mezzosopranistin Stella Doufexis und den Bariton Oliver Widmer. Beide Künstler verfügen über reiche Erfahrung in der Liedinterpretation; beide haben an Fischer-Dieskau-Meisterklassen teilgenommen.
Widmers wohlklingende, kraftvolle Stimme gestattet ihm prinzipiell die farbenreiche Gestaltung der Lieder. Leider nimmt er häufig - aus technischen Gründen? - eine sängerische Pose ein, die seine stimmliche Freiheit einschränkt: Portamenti und gestaut klingende Töne trüben das Bild und lassen die Stimme des Fünfunddreißigjährigen älter klingen; Spitzentönen mangelt es an Strahlkraft und Eros, weil sie sich nicht ungehindert entfalten können. Diese Einschränkungen sind angesichts der vielen sehr gelungenen Passagen und des immer gegenwärtigen gestalterischen Einfallsreichtums umso bedauerlicher.
Pures Gold ist hingegen der Gesang von Stella Doufexis: Sie befindet sich auf der Höhe ihrer stimmlichen und gestalterischen Möglichkeiten, und was sie anfasst, gelingt ihr mit staunenswerter Perfektion. Den neckischen Ton des "Volksliedchens" trifft sie ebenso wie den Ausdruck sehnsüchtiger Erregung in Clara Schumanns "Er ist gekommen". Die vollkommene Beherrschung ihrer außergewöhnlich schönen Stimme erlaubt ihr die überzeugende Umsetzung jeder Nuance.
Graham Johnson begleitet die Sänger mit der ihm eigenen Sensibilität und Feinnervigkeit. Sein Spiel ist organischer als auf vielen seiner Schubert-CDs, aber bisweilen geht auch hier der große Bogen in zahllosen Details unter. Bewundernswert ist seine editorische Leistung: Das Beiheft erläutert auf fast hundert Seiten jedes einzelne Lied und die zu Grunde liegenden Gedichte. Aufwändiger und engagierter kann man eine Gesamtaufnahme wohl kaum gestalten.

Michael Wersin, 20.07.2000



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