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Gentle

Thomas Faist

Village/ZYX VILCD 1020-2
(60 Min., 7/2001) 1 CD

Der Münchner Saxofonist Thomas Faist legt mit fünfundvierzig Jahren erst seine zweite eigene Aufnahme vor; das lange Warten hat seiner Musik recht gut getan. Statt auf eine Ad-hoc-Besetzung und unausgegorene Stücke zurückgreifen zu müssen, wartete er (aus welchen Gründen auch immer) so lange, bis er die idealen Sidemen und die stärksten Stücke aus eigener Feder beisammen hatte. So handelt es sich bei "Gentle" um eine der ganz wenigen Neuerscheinungen, die ebenso viel Freude bereiten wie die Klassiker von anno dazumal.
Vielleicht verdankt sich dieses bruchlose Gelingen aber auch den Arrangierkünsten Faists: Denn auch das Quintettformat (und in zwei Stücken, die den Posaunisten Johannes Herrlich einbeziehen, die Sextettbesetzung) will satztechnisch beherrscht sein - Horace Silver und Art Blakey gelang dies in ihren Blue-Note-Aufnahmen auf idealtypische Weise. Franz Weyerer an der Trompete ist zwar neu in der Band, aber in Faists Alter und damit alles andere als ein Neuling auf der Szene; mit der vorzüglichen Rhythmusgruppe Walter Lang, Thomas Stabenow, Rick Hollander - fast so etwas wie die Munich All Stars - fühlt er sich ganz wie in Abrahams Schoß.
Der Titel der Aufnahme - "gentle" - beschreibt den Charakter der Musik treffend. Als besondere Aufgabe hatte sich Faist vorgenommen, jedem der neun Titel einen anderen, dezent lateinamerikanischen Rhythmus zugrunde zu legen - das Titelstück zum Beispiel kommt als Reggae daher. Diese vermeintliche Erschwerung hat Faist auch als Komponist über sich selbst hinauswachsen lassen. Und seine Soli auf dem Alt- und Tenorsaxofon zerren nicht durch ziel- und zügelloses Gedudel an den Nerven, sondern überzeugen durch weise Beschränkung auf das Wesentliche.

Mátyás Kiss, 01.08.2002



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