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Handle With Care

Clarke-Boland Big Band

Koch Jazz 0 99923 85342 8
(34 Min., 1962) 1 CD

Die Originalplatte hatte gar keinen Titel, aber der vom Paketdesign herrührende Schriftzug "Handle With Care" bot sich als fürderhin haften gebliebener Spitzname an. Bereits zum Zeitpunkt dieses zweiten Atlantic-Albums der noch als Francy-Boland-Big-Band firmierenden Formation operierte das Einundzwanzig-Mann-Orchester von Köln aus. Schade nur, dass das ähnlich rare Debütalbum "Jazz Is Universal" von 1961 nicht gleich noch mit auf die CD gepackt wurde. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass Sie auch nach bloßen vierunddreißig Minuten erst einmal eine Verschnaufpause benötigen werden.
Die geballte Big-Band-Power der CBBB bildet so etwas wie die maskuline Antithese zum Ansatz der Gil-Evans-Tradition, die momentan idealtypisch von Maria Schneider repräsentiert wird. Von einem so kräftig swingenden, die ganze Unternehmung unerbittlich vorwärtstreibenden Schlagzeuger wie Kenny Clarke kann jede Großbesetzung nur träumen. Bei solcher Rhythmus-"Lastigkeit" ist es nur konsequent, dass Boland den Pauken- und den Bongospieler dieser Inkarnation bald durch einen weiteren Full-Time-Schlagzeuger namens Kenny Clare (sic!) ersetzte.
Die eminente jazzhistorische Rolle des Bebop-Pioniers Kenny Clarke muss heute niemandem mehr nahegebracht werden. Hingegen ist der belgische Pianist, Komponist und Arrangeur Francy Boland seit Auflösung der CBBB im Jahre 1973 zunehmend in Vergessenheit geraten. Dabei gelang es ihm wie keinem zweiten außer Ellington, seine Musik im Hinblick auf die spezifischen Stärken seiner (internationalen) Solisten zu entwerfen, und auch als Architekt ausgewachsener Suitenwerke stand er dem Duke in nichts nach; Werke wie "Faces", "All Blues" oder "Change Of Scenes" (für Stan Getz) zeugen von seiner Könnerschaft. Aber welchen kreativen Kopf würden Asse wie Benny Bailey, Idrees Sulieman, Derek Humble, Sahib Shihab und Ake Persson, um nur einige der Solisten zu nennen, nicht zu Großtaten inspirieren?

Mátyás Kiss, 14.12.2000



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