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Citizen Tain

Jeff "Tain" Watts

Columbia/Sony BMG CK 69551
(71 Min., 6/1998) 1 CD

Im ersten Quintett von Wynton Marsalis und im Trio von Branford Marsalis hatte sich Jeff "Tain“ Watts bereits als immens einfallsreicher Schlagzeuger profiliert. Schon auf der 1991 eingespielten Solo-Debütplatte "Megawatts“ hatte er eine Fülle an trickreichen Schlagfolgen in sein Spiel geflochten. Inzwischen reifte er zum "Citizen Tain“ - und der würzt sein Spiel mit Stopps, Rollern und gegenläufigen Rhythmen, dass es eine Lust ist, seiner unglaublich abwechslungsreichen Rhythmusarbeit zu folgen.
Hitzig beginnt die Platte mit einer durch Saxofon- und Trompetensoli von Branford und Wynton Marsalis bereicherten Version von "The Impaler“, zu Ende geht sie mit einer passagenweise in der Nähe des Free Jazz angesiedelten Session "Bluetain's Big Adventure“, an der neben Wynton und Branford Marsalis auch deren Bruder, der Posaunist Delfeayo Marsalis, und der Altsaxofonist Kenny Garrett mitwirken. Dazwischen liegt ein musikalischer Hexenkessel aus Trio- und Quartetteinspielungen.
Dabei kehrt der Pianist Kenny Kirkland im kantigen "Muphkin Man“ seine monksche Seite heraus und zeigt sich in "Pools Of Amber“ und dem Mittelteil von "Attainment“ als verträumter Romantiker. Wo Branford Marsalis dagegen in ekstatische Sphären aufbricht, unterlegt Kenny Kirkland je nach Situation dichte Cluster, wellenartige Figuren oder sparsam getupfte Akkorde. Was er in den elf Titeln leistet, verdeutlicht den enormen Verlust, den sein früher Tod 1998 riss. Mit wenigen Tönen verstärkt er Stimmungen und, wo nötig, verdichtet er sein Spiel: ein immens vielseitiger, erfindungsreicher, dabei stets ensembledienlicher Musiker. Und Jeff "Tain“ Watts ist auf dem besten Weg, das Kraftpaket Art Blakey und den polyrhythmischen Hexenmeister Elvin Jones gleichzeitig zu beerben.

Werner Stiefele, 30.04.1999



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