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Overnight

Kenny Wheeler, John Taylor, Riccardo Del Fra

Sketch/Helikon SKE 333022
(62 Min., 10/2001, 11/2001) 1 CD

Die drei Herren, zwei schon betagtere aus England, ein jüngerer aus Italien, haben sich drei Tage Zeit gelassen, um die Einfälle zu entwickeln, die ihnen "über Nacht" in den Schoß fielen. Einfälle, so schrieb Béla Bartók einst sinngemäß, könne jeder haben - erst in ihrer Verarbeitung zeige sich der Meister.
Mit ihren elf Themen haben sich die drei in der Tat Mühe gegeben: Es ist ihnen gelungen, alles Überflüssige auszusondern und die Arrangements und Rollenverteilungen zwischen den Instrumenten offene/gestopfte Trompete bzw. Flügelhorn, Klavier und gestrichener/gezupfter Bass zu finden, welche gleichzeitig dem musikalischen Material angemessen schienen, den Fluss der spontan hinzutretenden Ideen förderten und für größtmögliche Abwechslung sorgten.
Die Herkunft und die Besetzung des gleichberechtigten Trios stellte sicher, dass als Bezugsrahmen ebensogut die Kammermusik des romantischen 19. Jahrhunderts Pate stand wie der kühl-melancholische Jazz eines Chet Baker - nicht zufällig ebenfalls ein Weißer, der in seinen späten Jahren Europa mit schlagzeuglosen Trios durchmaß, in denen ab 1979 oft Riccardo Del Fra Bass spielte.
John Taylor und Kenny Wheeler kennen sich seit Jahrzehnten - unter anderem arbeiteten sie als Duo, im Trio Azimuth und als Sideman bei den Projekten des jeweils anderen zusammen. Warum auch nicht: Ihre spezielle Auffassung davon, wie zeitgenössischer Jazz sich einen lyrischen Tonfall bewahren könnte, entspricht und ergänzt sich in idealer Weise. Der robust-erdige, dabei biegsame Ton eines Bassisten wie Del Fra sorgt hier dafür, dass ihre träumerische Musik nicht allzu preziös wird.

Mátyás Kiss, 20.06.2002



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