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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Directions In Music: Live At Massey Hall

Herbie Hancock, Michael Brecker, Roy Hargrove

Verve/Universal Jazz 589 654-2
(78 Min., 10/2001) 1 CD

Die Plattenfirma konnte sich bei dieser Veröffentlichung auf keinen Leader einigen: Das ist bezeichnend für die Verve-Politik, möglichst viele Stars auf eine Platte zu packen (oder vorher auf eine Tournee zu schicken). Mit guter oder gar wichtiger Musik hat das noch lange nichts zu tun; es käme doch viel eher darauf an, dass die Beteiligten aus einem Geiste musizierten.
Genau das - auch mit rotierendem Personalkarussell - war eine der Stärken des Bandleaders Miles Davis, der die Mitglieder seiner Bands über seine musikalischen Absichten im Ungewissen ließ, sie aber durch seine bloße Anwesenheit, seine musikalische Präsenz, an ihre Grenzen trieb.
"Directions In Music", das Motto von "Filles de Kilimanjaro" und "Bitches Brew", das programmatisch auch über der Tournee dieses Quintetts aus fünf Bandleadern prangte, ist jedoch gleichzeitig die Crux dieser Produktion: Roy Hargrove, Michael Brecker, Herbie Hancock, John Patitucci und Brian Blade, die sich nebenbei mit einer Hommage an John Coltrane einen unnötigen Klotz ans Bein binden, setzen buchstabengetreu das fort, womit das Miles-Davis-Quintett der Mittsechziger (Shorter, Hancock, Carter, Williams) Musikgeschichte schrieb: einen kühlen, modalen, sehr offenen Sound, der mit höchster Virtuosität bis an die Grenzen dessen ging, was innerhalb einer tonalen und rhythmischen Bindung noch möglich ist.
Demnach konnten sich Hancock & Co. an diesem Herbstabend des letzten Jahres nicht über das bereits fünfunddreißig Jahre zuvor eroberte Terrain hinauswagen; heute wirkt die Musik weniger mutig als gediegen museal. Weiteren Ballast haben sich die fünf dadurch aufgeladen, dass das Konzert in der höchst geschichtsträchtigen Torontoer Massey Hall stattfand, wo 1953 "The Greatest Jazz Concert Ever" über die Bühne ging: Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach sorgten damals mit einer in diesem Falle wirklich zündenden Besetzung für eine Sternstunde des Bebop.
Achtundvierzig Jahre später wurde einfach bloß auf hohem Niveau Musik gemacht, die mir viel mehr Freude gemacht hätte, wenn sie nicht mit derartiger Prätention daherkäme. Michael Brecker driftet in seiner Soloversion von "Naima" zwar etwas ins Etüdenhafte ab, und Herbie Hancock wird als Darsteller seiner selbst stellenweise von Bill Evans' Geist heimgesucht - aber Brian Blade ist als wiedererstandener Tony Williams eine Idealbesetzung, John Patiticci glänzt vor allem in längeren Solokadenzen, und Roy Hargrove gibt einen Miles ohne technische Mängel, aber auch ohne dessen Ausstrahlung.

Mátyás Kiss, 13.06.2002



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