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Jean-Philippe Rameau

Pièces de clavecin (1706-1747)

Michel Kiener

harmonia mundi/helikon HMI 98709.40
(150 Min., 2002)

Die Erkenntnis, dass Vögel ganz schön fiese Biester sein können, taugte 1969 in Hitchcocks "The Birds" für einen Schock. Dabei hätte man das schon seit 1724 wissen können. Da publizierte Jean-Philippe Rameau das zweite Buch seiner "Pièces de clavecin". Das noch im ersten Buch (1706) verbindliche Modell der Ordre wird hier - wie auch in den "Nouvelles suites" von 1728 - durch programmatische Stücke großer thematischer Bandbreite bereichert. Neben typisierten Darstellungen von Charakteren ("La joyeuse","L’indifferente") oder Empfindungen ("Les tendres plaintes") kann es auch um Zyklopen oder Schinken gehen. Oder eben um ein ornithologisches Schlachtengetümmel unter dem Titel "Rappel des Oiseaux". Was für ein Gezeter, Geflatter und Gepicke!
Allerdings weniger in der Gesamteinspielung des belgischen Cembalisten Michel Kiener, mit der harmonia mundi sich nun selbst Konkurrenz macht. Kommt sie doch kurz nach der Wiederveröffentlichung von William Christies (auf die Bücher zwei und drei beschränkte) Aufnahme von 1983 in einer Budget-Serie auf den Markt. Liegt es daran, dass Christie - als Leiter des Ensembles Les Arts Florissants wichtigster Impulsgeber der Rameau-Renaissance der 80er und 90er Jahre - Theaterluft geschnuppert hat? Im Vergleich mit dessen vitalem, gestenreichen Spiel wirkt Kiener oft recht hüftsteif, selbst dann, wenn er - etwa in den Allemandes - viel flottere Tempi wählt. Zwar verleiht der voluminös rauschende Klang seines Blanchet-Nachbaus virtuosen Sätzen wuchtigen Effet, steht aber an Transparenz und Variabilität gegen die von Christie verwendeten Instrumente, darunter ein Ruckers/Taskin, zurück. So bleibt der Neueinspielung nur der Vorteil der Vollständigkeit.

Christian Möller, 20.12.2003



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