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Franz Schubert

Fantasie C-Dur ("Wanderer"), Klaviersonate A-Dur D 959

Murray Perahia

Music For You/Sony 89614
(58 Min., 1986/1987) 1 CD

Die Wanderer-Fantasie Schuberts zählt sicherlich zu denjenigen Stücken, die für seinen reifen Klavierstil am wenigsten typisch sind: Die mal auf Beethoven zurückweisende, dann wieder Liszt vorahnende Wucht und Pracht des Klaviersatzes macht sie zugleich zu den zugänglichsten Werken für Klaviersolo, die Schubert uns hinterlassen hat. Sie bleibt dennoch (und das muss der Interpret uns zeigen) reiner Schubert.
Murray Perahia, dessen geschmeidiges Bach-Spiel ich immer bewundert habe, dessen rastlos poetischer Schumann mich tief rühren kann, ist kein Schubert-Pianist. Man erlebt bei diesen Aufnahmen aus den achtziger Jahren ein Nicht-Begreifen Schuberts auf höchstem pianistischem und musikalischem Niveau. So ist es kein Wunder, dass hier die Wanderer-Fantasie tatsächlich wie eine Stil-Travestie zwischen klassischer Ebenmäßigkeit und neudeutschem Donner klingt - ganz so, als habe Schubert sich hier einmal bemüht, virtuosen Glanz zu entfalten, sei aber auch darin kläglich steckengeblieben. Und das mag man dann doch nicht recht glauben.
In der A-Dur-Sonate erlebt man vollends, dass Perahia den Besonderheiten von Schuberts Formwillen, dem epischen Atem dieser Musik, nicht gerecht werden kann: Selbst Artur Schnabel hat Schubert besser gespielt, ganz zu schweigen von jenen maßstabsetzenden Interpretationen, die uns Brendel, Uchida oder Schiff anzubieten haben.

Stefan Heßbrüggen, 19.04.2001



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