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Sergei Prokofjew

Klaviersonaten Nr. 4 c-Moll, Nr. 6 a-Moll, 10 Stücke aus ”Romeo und Julia” op. 75

Nikolai Lugansky

Warner 2564 61255-2
(75 Min., 10/2003) 1 CD

Zart in Aquarelltönen malend beginnt Nikolai Lugansky mit Prokofjews Sonate Nr. 6 sein Programm. Ohne Zweifel lockt er so den Hörer auf seine Fährte, die bald über fremde Harmonien führt und auch schroffe Seiten zeigt. Man hat gleich ein Bild von Luganskys Händen auf der Tastatur im Kopf und sieht ihm gern zu, wie die Finger auf den Tasten federn, kleine Sprünge machen, sich in Läufen verlieren oder große Akkorde anschlagen, nie gewaltig, wenn, dann kraftvoll konzentriert. Wem der Ausflug in die russische Welt der 40er Jahre, die politischen Spannungen und die Zerrissenheit Prokofjews zwischen Frau und Geliebter, die man hier hineinlesen kann, als Einstieg zu heftig sind, der beginne mit Track 8, der ”Jungen Julia” aus den 10 Stücken aus ”Romeo und Julia”, der berühmten Ballettmusik, die tänzerische Leichtigkeit ausstrahlt und zarte Verliebtheit. Lugansky schwebt über die Tasten. Mit der Anmut einer Primaballerina, wie man sie aus dem Bolschoi-Ballett kennt. Wer eher den Kampf der Familienclans der Montagues und Capulets aus dem Ballett hören möchte - ein Stück, das zu den Top 100 der Wunschkonzerte gehört, der beginne mit Track 13. Man wird nicht enttäuscht in Erwartung einer subtilen Kraft und Klarheit der Antipoden, der Welten, die hier aufeinander stoßen. Lugansky gelingt auch hier eine musikalische Lichtregie, die die Dimensionen hinter den Bildern mit beleuchtet und wie eine Schattenszene setzt.
Lugansky gehört zu den Magiern am Flügel. Alles scheint ihm mit Leichtigkeit und großem Einfühlungsvermögen zu gelingen. Aber Vorsicht: wo andere nur Illusionen aufbauen, dringen bei ihm Kräfte aus der Musik, die tiefer gehen.

Margarete Zander, 24.04.2004



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