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Bebo

Bebo Valdéz

RCA/Sony BMG 82876823812
(57 Min., 10/2003) 1 CD

Es gab noch keinen Plattenspieler, als Manuel Saumell Robredo (1817-1870) seine Tanzstückchen "La Caridad" und "Tu Sonrisa" schrieb. Der Ahnvater der afro-kubanischen Musik, der inzwischen 87-jährige Bebo Valdéz, grub sie für sein Soloalbum aus: Zwei hübsche Salonnummern, die - auch Dank des stumpf klingenden Pianos - in eine ferne Zeit zurückversetzen. In seinem Alter, meinte Bebo Valdéz, sei es an der Zeit, die großen kubanischen Komponisten der Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen. Und so spielt er mit viel Liebe sechzehn Kleinodien von Ignacio Cervantes (1847-1905), Sindo Garay (1867-1968), José White (1836-1918), Eduardo Sánchez de Fuentes (1874-1944), Jorge Anckerman (1877-1941), Ernesto Lecuona (1895-1963) und vielen anderen. Die abgehackte, scharf akzentuierte Spielweise erinnert an Ragtime-Einspielungen - kein Wunder, denn in New Orleans und anderen Städten entstanden ab 1870 erste komponierte Unterhaltungswerke, in denen sich ebenfalls die Ästhetik der europäischen Salonstückchen mit der Kultur der Sklaven vermischte. Wunderschöne Melodien hat es darunter, Themen mit nostalgischem Charme, und je jünger die Stücke sind, desto deutlicher kommen afro-kubanische Rhythmen zum Tragen. Mit etwas Fantasie kann man sich in einen herrschaftlichen Salon zurückdenken, in dem die feine Gesellschaft am Glas nippt und dem Kunstgenuss frönt. Denn alle sechzehn Stücke und Bebo Valdéz eigenes "Oleanje" sind einerseits stilvoll charmante Zeugnisse aus einer vergangenen Epoche und andererseits Vorläufer von Salsa und afro-kubanischem Jazz.

Werner Stiefele, 30.06.2006



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