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Conference Call

Spirals

Music/www.jazz-network.com
(74 Min., 3/2003) 1 CD

Von Gebhard Ullmann kann man stets das Unvorhersehbare erwarten. Mehr als 20 CDs liegen von dem zwischen Brooklyn und Berlin pendelnde Musiker inzwischen vor; mit höchst unterschiedlichen Besetzungen - vom Klarinetten-Trio bis hin zum Tentett - beschreitet er beständig neue Wege abseits ausgetretener Avantgarde-Pfade. Natürlich: damit macht es Ullmann dem Hörer nicht gerade einfach. Die dritte Aufnahme seines Viererbundes Conference Call gibt dafür ein gutes Beispiel.
Stehvermögen und volle Konzentration sind vonnöten, um den bis zu 20 Minuten langen Stücken, die das Quartett im März 2003 im Berliner Jazz-Club B-Flat vorstellte, bis in ihre letzten Windungen nachvollziehen zu können. Doch die Mühe lohnt sich. Denn obgleich Ullmann, Pianist Michael Jefry Stevens, Bassist Joe Fonda und Schlagzeuger George Schuller unerschrocken gegen die Konventionen anwüten, agieren sie im Kern auf der Basis von strengen Kompositionsprinzipien. Mal ist es eine afrikanisch anmutende Melodie (wie in Ullmanns "Dreierlei"), mal ein dämonisches Vier-Ton-Motiv (wie im Opener "Comeuppance" von Schuller), mal eine brachiale Tango-Form (wie in Stevens‘ "Little Pete’s Diner") aus dem das transatlantische Bündnis den Formenvorrat für seine ausgedehnten Improvisationen bezieht. Da fällt nichts auseinander, alles stützt sich gegenseitig. Und Ullmann bläst auf Bassklarinette, Tenor- und Sopransaxofon mit seiner kluger Entrücktheit stellenweise das Blaue aus dem Himmel über Berlin. Selbst seine grimmigen Growls und überspannten Überblaser sind von einer seltenen Zartheit. Das ist die Freiheit, die John Coltrane meinte.

Josef Engels, 11.09.2004



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