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Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven

Englische Sonaten, Klavierkonzert Nr. 2

Dejan Lazić, Klassische Philharmonie Bonn, Heribert Beissel

Channel Classics/harmonia mundi CCS SA 19703
(67 Min., 6/2002) 1 CD

Eine Wunderkindkarriere hat der 1977 in Zagreb geborene Dejan Lazić hinter sich: Klavierunterricht mit sieben Jahren, Klarinette mit neun, erste Kompositionen und Radio- und Fernsehaufnahmen mit zehn. Der Karriereweg scheint steil nach oben zu gehen, und zwar gleichermaßen als Pianist wie mit der Klarinette - und als Komponist. Für diese CD (Hybrid als Mehrkanal-SACD und normale CD) hat Lazić den frühen Beethoven (das 2. Klavierkonzert ist in der Reihenfolge der Entstehung bekanntlich das erste) sowie zwei “Englische Sonaten” des alten Haydn live in der Liederhalle Stuttgart eingespielt.
Lazić ist jemand, der sehr bestimmte Vorstellungen hat und konsequent umsetzt, das ist gleich in den ersten Takten von Haydns Sonate C-Dur Hob. XVI Nr. 50 zu merken. Pianistisch brillant ist sein Spiel, in den schnellen Sätzen rasch und Staccato-orientiert und manchmal sogar trocken zu nennen, dabei von einem dramatischen Impetus, der sich in stark kontrastierender Dynamik und einer exzentrischen Behandlung des Metrums äußert. Letzteres ist es, was an etlichen Stellen zutiefst verstört und den Klangfluss aus der musikalischen Bahn wirft, denn hier wird das Tempo an emphatisch hervorgehobenen Stellen so plötzlich gedehnt oder beschleunigt, dass Verwerfungen im Rhythmus auftreten. Das hat etwas von "Klangrede", wenig aber von einem durchgehaltenen Bewegungsimpuls. Anderen Hörern mag gerade dies spannend und neu erscheinen, und wie so vieles ist es gerade hier eine Frage des Geschmacks, ob man sich auf Lazićs Interpretation einlassen mag.
Im Zusammenspiel mit der Klassischen Philharmonie Bonn unter Heribert Beissel machen sich die beschriebenen Exzentrizitäten weniger bemerkbar. Die Kadenz des ersten Satzes von Beethovens 2. Klavierkonzert ist von Lazić komponiert und etwas verspielt, aber ohne besondere Anreize gestaltet. Sonst wirkt die Aufnahme konturiert und jugendlich frisch und ist sicher der bessere Teil dieser CD.

Matthias Reisner, 29.05.2004



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