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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte

Paul Badura-Skoda, Orchester der Wiener Staatsoper, Hermann Scherchen

Genuin/Codaex Gen 87102
(168 Min., 1951-1959) 3 CDs

Einer der letzten Großen, die leben und: konzertieren. 80 Jahre alt und zugleich jung ist dieser Künstler, ewig sprudelnder Quell, wie es scheint. Noch heute reist Paul Badura-Skoda, 1927 in Wien geboren, durch die Welt, als Pianist, als Pädagoge; Vermittler in doppelter Hinsicht. Ungebrochen seine Energie, seine Vitalität, sein Können. Mit einem Wort: ein Phänomen, vor dessen Lebensleistung man sich nur verneigen kann. Was die Plattenfirma Genuin denn auch, zum großen Glück für den Musikliebenden, anlässlich von Badura-Skodas rundem Geburtstag tut, und zwar in Form einer Drei-CD-Box, darin alle fünf Klavierkonzerte Beethovens zu finden sind, aufgenommen zwischen 1951 und 1959 mit dem Orchester der Wiener Staatsoper unter Leitung von Hermann Scherchen. Spektakulär sind diese Einspielungen nicht zu nennen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass hier jemand versucht, ein neues Beethoven-Bild zu kreieren. Badura-Skoda erweist sich durch und durch als ein (pianistisch souveräner) Vertreter der Wiener Schule der Klassizität, will sagen: als Verfechter einer Interpretationshaltung, die dem Werk dient, ohne devot auf die Knie zu gehen, ihm vielmehr zu seinem Rang verhilft, indem es die Textur in seiner ganzen Logik und Brillanz übermittelt. Es ist in den Ecksätzen ein flotter, schnörkelfreier, inspirierter Beethoven, den wir hören, nicht zuletzt weil Scherchen das Orchester in den Tutti-Teilen immer wieder nach vorne treibt. Getrieben wirkt dieses Tun gleichwohl nicht, nur flüssig, energisch, vital. Darüber liegt ein klanglicher Glanz, den man heute selten vernimmt, der Esprit eines aufklärerischen Idealismus. Die langsamen Sätze wirken darin wie Inseln der Poesie. Nicht sentimental, nicht naiv gedacht, sondern gleichsam literarisch. Wie ein Gedicht. Dies mit musikalischen Mitteln auszudrücken, können anscheinend nur die großen Pianisten jener verblichenen Zeit. Hat es mit Würde, mit Empathie zu tun? Vielleicht.

Jürgen Otten, 30.11.2007



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