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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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„Affirmation“

Arild Andersen Group

ECM/Universal 4828593
(46 Min., 11/2021)

Wenn man das Line-up des neuen Quartetts des norwegischen Bass-Doyens Arild Andersen liest, kann man schon gewisse Erwartungen entwickeln: Saxofonist Marius Neset, der rhythmisch packende Virtuose im Gefolge eines Michael Brecker, Pianist Helge Lien, der Barde eines nordischen Innerlichkeit-Tons, dazu mit Håkon Mjåset ein Drummer aus dem Pool des frischen norwegischen Jazz der Jahrtausendwende – das schreit doch geradezu nach schwelgerischen Melodien und publikumsaffinem Musizieren!
Möglicherweise war das auch ursprünglich geplant, als der für seinen warmen Ton berühmte Andersen mit seinen deutlich jüngeren Partnern ins Rainbow Studio in Oslo ging. Doch dann schlug der Bassist vor, ohne vorhergehende Absprachen kollektiv zu improvisieren. Das Ergebnis in Form von zwei gemeinschaftlichen Impromptu-Gedankenströmen, einer 23, der andere 14 Minuten lang, wanderte schließlich auf Tonträger.
Zunächst vorsichtig, wie Schwimmer, die ihre Zehen in kaltes Wasser eintauchen, folgen Neset, Lien und Mjåset dem mit markanten Motiven und elektronischen Verfremdungen aufwartenden Tieftöner in das unbekannte Terrain, um immer mehr Vertrauen in die eigene innere Stimme zu gewinnen. Der Weg dorthin führt durch einige Seichtigkeiten; man könnte stellenweise durchaus von Kuschel-Freejazz sprechen. Doch spätestens am Ende der ersten Kollektivimprovisation scheinen sich die Musiker ihrer Vorsicht und ihrer vorgefertigten Muster einigermaßen entledigt zu haben.
Wie das Ganze auch hätte ausgehen können, zeigt der Albumabschluss. Da spielen die vier mit „Short Story“ eine Nummer aus der Feder des Bandleaders, die ein wenig an die bittersüßen Hymnen von Keith Jarrett und Jan Garbarek aus ihrer gemeinsamen Zeit erinnert. Eine Platte nur mit solchen Stücken wäre vielleicht risikoloser und erwartbarer, aber nicht unbedingt die schlechtere Einspielung gewesen.

Josef Engels, 19.11.2022



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