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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Somewhere Different

Brandee Younger

Impulse/Universal 3829861
(43 Min., 11/2020)

Das Lob kommt aus höchst berufenem Munde. Niemand sei bislang dazu in der Lage gewesen, sämtliche moderne Harfen-Traditionslinien von Carlos Salzedo über Dorothy Ashby bis hin zu Alice Coltrane mit derartiger Kraft und Anmut zu kombinieren wie Brandee Younger. Das sagt Ravi Coltrane, Sohn der Letztgenannten und Verantwortlicher dafür, dass Younger 2007 bei der Trauerfeier im Gedenken an Alice Coltrane ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte.
Sicherlich gibt es einiges, das auf Youngers Debüt auf dem wiederbelebten Traditionslabel Impulse an die prominente Vorgängerin erinnert – sei es der an den ersten Teil der „A Love Supreme“-Suite erinnernde Basslauf in „Tickled Pink“, die Spiritual-Jazz-Stimmung in „Spirit U Will“ oder vor allem die Nummer „Beautiful Is Black“. Diese schrieb Younger nicht nur explizit als Verbeugung vor Alice Coltranes „Ptah The El Daoud“, sondern konnte für die Einspielung sogar den Originalbassisten gewinnen: Ron Carter, der mit sonorer Autorität die mal nach Fernost, mal nach Brasilien und hauptsächlich in die besenschlagzeugschnurrende Jazzklassik der frühen 1960er Jahre weisenden Fäden zusammenhält.
Deutlich wird auf „Somewhere Different“ aber auch, dass die 1983 geborene Younger viel mehr mit der deutlich virtuosen Genregrenzen-Überwinderin Dorothy Ashby gemein hat. Youngers Spektrum ist nämlich ähnlich groß wie das der 1986 verstorbenen Harfenspiel-Revolutionärin Ashby, die Bebop spielte, Stevie Wonder begleitete und sich die elektrische Verstärkung zunutze machte.
Auf „Somewhere Different“ wird der klassische Hintergrund der Harfe keineswegs verleugnet. Es gibt träumerische Glissandi, glockenhelle Kristalltöne, zuweilen auch Cembalo-Anklänge. Ebenso selbstverständlich ist es für Younger aber auch, ihr Instrument solistisch einzusetzen oder ihm an Synthesizerpads gemahnende Jazzakkorde zu entlocken.
Im Gegensatz zu der feurigen Überwältigungskunst des Harfen-Kollegen Edmar Castañeda setzt Younger mehr auf Subtilität. Das mag im Zusammenhang mit ihren hörerfreundlichen Kompositionen, in denen genauso Platz für Rockhymnik („Reclamation“) wie für angehiphoppten Soul-Pop („Pretend“) und Achtzigerjahre-Gedenken ist (in ihrem Solo im Titelstück zitiert Younger augenzwinkernd „Careless Whisper“ von George Michael), manchmal etwas zu gefällig in Richtung Andreas Vollenweider gleiten. Dennoch hinterlässt Younger mit ihrem Major-Label-Einstand einen starken Eindruck, der sich bestens in die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Coltrane-Labels Impulse einfügt.

Josef Engels, 09.10.2021



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