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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Igor Strawinski

„Die Geschichte vom Soldaten“, Élégie, Duo Concertant

Isabelle Faust, Alexander Melnikov, Reinhold Friedrich, Dominique Horwitz u. a.

harmonia mundi HMM 982671
(78 Min., 12/2029, 4 & 7/2020)

„Ich bin willens, wieder zum Einfachen zurückzukehren.“ Mit diesen Worten läutete Igor Strawinski 1918 eine musikalische Kehrtwende ein – nachdem er nicht zuletzt mit seinen Ballettmusiken großorchestrale Beben ausgelöst hatte. Klarinette und Fagott, Flügelhorn und Posaune, Violine und Kontrabass sowie ein Schlagzeuger – diese für damalige Zeiten fast typische Jazz-Band-Besetzung genügte nun, um eine Art Wanderbühnenstück musikalisch zu begleiten. Und für diese „Geschichte vom Soldaten“, bei der der Titelheld zum Schluss dem Teufel seine Seele überlässt, zapfte Strawinski so ziemlich alles an, was nicht nach feinem Konzertsaal-Ambiente roch: Militärmärsche und Fanfaren, Tango und Spieldosen-Walzer, Ragtimes und Couplets. Anlässlich von Strawinskis 50. Todesjahr hat sich ein Musikseptett um Geigerin Isabelle Faust für die Erzählerrolle Schauspieler Dominique Horwitz geschnappt, der bereits vor zehn Jahren bei einer Aufnahme mit Mitgliedern der Berliner Philharmonikern herrlich verschroben zwischen den Rollen hin- und herhüpfte. Genau das gelingt ihm jetzt einmal mehr. Wobei diesmal die Musik robuster und verruchter, anarchischer und kantiger daherkommt. Der Clou an der Neuaufnahme ist nämlich, dass bis auf Isabelle Faust die übrigen Mitstreiter auf Instrumenten der Entstehungszeit des Werks spielen. Doch auch auf ihrer mit Darmsaiten bespannten Stradivari zeigt sich Faust ganz schön burlesk gelenkig. Als ebenso unterhaltsam entpuppt sich das neo-klassizistisch temperierte „Duo Concertant“ für Violine und Klavier – vor dem aber noch eine „Élégie“ für Violine solo aus dem Jahr 1944 erklingt. Und die ist in ihrer Schlichtheit und mit ihrem magisch dauergedämpften Klang einfach ein kleines Wunderwerk der Moderne.

Guido Fischer, 11.09.2021



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