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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Yellow

Emma-Jean Thackray

Movementt/Rough Trade MVMTT04CD
(50 Min., k. A.)

Emma-Jean Thackray neigt zum Synkretismus. Daran lässt die Ende der 1980er-Jahre im englischen Leeds geborene Multiinstrumentalistin, Sängerin und Produzentin auf ihrem Debüt „Yellow“ jedenfalls keinen Zweifel: Da ruft sie mal betend die Sterne an, allen voran Venus, chantet unter Klangschalenbegleitung für die Natur und den Frieden oder stellt klar, dass man mit dem Dritten Auge besser sieht. Am deutlichsten ist die Musikerin aber den verschiedenen musikalischen Glaubensrichtungen der 1970er-Jahre verpflichtet. Da ist der spirituelle Jazz eines Pharoah Sanders oder Sun Ra genauso zu vernehmen wie der Symphonic Soul eines Isaac Hayes oder der Afro-Funk eines Fela Kuti.
Thackray gelingt es, aus diesen Einflüssen etwas Neues und Frisches zu machen, ohne angestrengt modern wirken zu wollen. Dabei setzt die Britin gerne auf ungewöhnliche Instrumentierungen. So wird der Basspart oft von einem Sousafon übernommen (was einen an die nicht minder coole Tuba in der Band Sons of Kemet des Landsmanns Shabaka Hutchings denken lässt) und zuweilen mit einer Bassklarinette und einem Synthesizer gedoppelt. Regelmäßig tauchen auch Streicher in der „lebensverändernden psychedelischen Erfahrung“ auf, die Thackray nach eigenen Worten mit ihrem ersten Longplayer simulieren will.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sie ist keineswegs eine flatterhafte Esoterikerin, sondern eine handfest und hochgradig befähigte Multitaskerin. So zeigt sich Thackray auf „Yellow“ nicht nur als robust-lyrische Herausforderin von Laura Jurd um den Titel als bemerkenswerteste Jazz-Trompeterin Großbritanniens – sie spielt ganz nebenbei auch noch Vibrafon, Synthesizer, E-Bass, Bassklarinette, Percussion sowie ausgefuchste Midi-Gitarrensoli (etwa im Song „Say Something“).
Dennoch ist Thackray das Teamwork in einem Ensemble, das stellenweise bis zu 14 Mitwirkende umfassen kann, wichtiger als das Ego. Denn das ist auch die wiederkehrende Botschaft ihrer Lieder, die sie als Leadsängerin einer Art von Gospelchor insistierend der Hörerschaft ans Herz legt: Es geht ums Zuhören und Hinschauen, bevor man verurteilt. Und darum, das Verbindende suchen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Forderungen, die ebenfalls wie Thackrays Musik aus den hippiesken 1970ern stammen könnten – aber leider immer noch aktuell sind.

Josef Engels, 24.07.2021



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