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Sometime Ago

Meredith d’Ambrosio

Sunnyside/Broken Silence 81581
(53 Min., 10/2019)

Manchmal ist es angebracht, das Alter einer Sängerin zu erwähnen. Zum Beispiel bei Meredith d’Ambrosio. Sie war 78 Jahre alt, als sie – begleitet von einem Trio – in den van Gelder Studios zehn Songs für das Album „Sometime Ago“ einspielte, die allesamt wirken, als zählten sie zu den großen, immer wieder aufs Neue interpretierten Klassikern, obwohl sich unter ihnen drei Originals des Pianisten Randy Halberstadt und eines der Sängerin befinden. Mit einzigartigem Timbre interpretiert Meredith d’Ambrosio dieses Repertoire. Bei ihr gibt es keine Aufgeregtheiten. Sie verbindet die Patina der alten oder im alten, swingenden Stil geschriebenen Songs mit der Reife einer Stimme, die eine Aussagen gestaltet und – gleichermaßen stark und doch mit einem Hauch von Melancholie in der Stimme – an vergangene Zeiten und Sehnsüchte erinnert.
Die Texte sind bei ihr mehr als Silben, die es nur über die Töne zu verteilen gilt. Sie arbeitet mit dem Inhalt der Worte, sie bringt jene sanfte Ironie und Abgeklärtheit in die Liebeslieder, über die nur jemand mit viel Lebens- und Gestaltungserfahrung verfügt. So werden die Songs zu kleinen Geschichten von Begegnungen, aufkeimendem Interesse an einer Person, romantischen Momenten, Achtsamkeit, Unsicherheit oder auch Enttäuschungen. Der Pianist Randy Halberstadt greift jede Nuance ihrer Stimme auf, unterstützt das Gesungene, lässt es aber auch ins Bedächtige weitergleiten. Der Kontrabassist Daryl Johns und der Schlagzeuger Steve Johns unterstützen den sanften Swing als zurückhaltende Partner, die genau wissen, wie man der intimen Atmosphäre der Songs behilflich ist. Zudem bringt Don Sickler mit dem Flügelhorn unaufdringlichen Schmelz ins Geschehen. Das auf dem Cover abgebildete Gemälde entspricht der Stimmung der Disc: eine Landschaftsidylle mit wogendem Grün, einigen wenigen Gebäuden und einem Antennenmast.

Werner Stiefele, 17.07.2021



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