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Antonio Vivaldi, Alessandro Rolla, Giuseppe Tartini, Niccolò Paganini

Konzerte für Bratsche, Sonata per la Gran Viola u. a.

Nils Mönkemeyer, lʼarte del mondo, Werner Ehrhardt

Sony 19439730032
(60 Min., 11/2019)

Manchmal schreibt die Musikhistorie schon merkwürdige Geschichten. Da sind dem Vielschreiber Antonio Vivaldi Hunderte von Streicherkonzerten aus der Feder geflossen. Für die Violine und das Violoncello. Aber die Viola? Fehlanzeige. Doch es gibt ja Nils Mönkemeyer. Diesen bratschenden Tausendsassa, der aus der Not mal eine Tugend macht und sich zumindest zwei der Concerti für sein Instrument arrangieren lässt. Es sind die g-Moll-Konzerte für Fagott (RV 495) bzw. Violincello (RV 416), mit denen Mönkemeyer sein rein italienisches Hochvirtuosen-Album eröffnet. Und mit robustem Furor, starkstromzuckenden Rhythmen sowie zuckersüßen Kantilenen wirft er sich derart ins Zeug für den Viola-Ignoranten Vivaldi, dass man nur hoffen kann, dass dies nicht die erste und zugleich letzte Beschäftigung mit ihm gewesen ist. Zumal das Alte-Musik-Team lʼarte del mondo sich unter seinem Chef Werner Ehrhardt als perfekter Impulsgeber präsentiert.
Im Laufe des Albums brilliert Mönkemeyer aber auch immer wieder ganz solistisch, etwa in der Solo-Kadenz aus Vivaldis Violinkonzert „Il Grosso Mogul“ sowie in den Weltersteinspielungen zweier Piècen von Alessandro Rolla. Und auf die Bearbeitung der Variationen über eine Gavotte von Corelli, die Giuseppe Tartini ursprünglich für die Geige geschrieben hat, folgt schließlich Niccolò Paganinis 1834 komponierte „Sonata per la Gran Viola“. Wie ein Romeo lässt Mönkemeyer seine Bratsche da singen und säuseln. Zwischendurch geht es aber geradezu gespenstisch und wild flackernd zu – in einem der „3 Notturni Brillanti“, mit denen der Italiener Salvatore Sciarrino sich 1975 vor Paganini verbeugte. Bravo!

Guido Fischer, 03.04.2021



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