Nach „Si j’aime“ und „Chimère“ erfüllt sich Sandrine Piau mit dem vorliegenden Programm einen weiteren Herzenswunsch in Sachen „romantisches Lied“. Unter dem Motto „Raus aus der Alte-Musik-Ecke“ spannt sie diesmal einen großen Bogen von Alban Bergs „Sieben frühen Liedern“ bis hin zu Richard Straussʼ „Vier letzten Liedern“. Ausgangspunkt ist allerdings die Eichendorff-Ballade „Waldgespräch“ in der Vertonung von Alexander von Zemlinsky für Sopran, zwei Hörner, Harfe und Violine. Dieses Stück ist eine echte Entdeckung: Wer Eichendorffs Loreley-Geschichte vor allem in Robert Schumanns kompakter Vertonung aus dem „Liederkreis op. 39“ kennt, erlebt hier nun eine breiter angelegte Musikalisierung des Gedichts von hohem Reiz. Die Orchesterfassung von Alban Bergs „Sieben frühen Liedern“ zeigt Sandrine Piau ebenso im Zenit ihrer stimmlichen Möglichkeiten wie Richard Straussʼ „Morgen“. Mit dessen „Vier letzten Liedern“ allerdings wagt die Sopranistin sich auf ein Terrain, wo sie sich mit mittlerweile historischen Größen wie Lucia Popp oder Julia Varady messen muss. Sie schlägt sich hier, umsichtig und behutsam begleitet vom Orchestre Victor Hugo Franche-Comté unter Leitung von Jean-Franҫois Verdier, sehr wacker. Aber ihre mit größeren Stimmen ausgestatteten Kolleginnen können in puncto Farbenreichtum, Ausspannen großer Bögen und dynamische Bandbreite einfach deutlich mehr aus dem Vollen ihrer stimmlichen Möglichkeiten schöpfen. Der Legitimität des persönlichen Anliegens von Sandrine Piau, sich mit diesem Repertoire zu präsentieren, tut dies natürlich keinen Abbruch. Mit Jean-Franҫois Verdier hat sie einen musikalischen Partner gefunden, der sie bestmöglich durch das große Repertoire trägt.

Michael Wersin, 27.03.2021



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