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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



Percy Grainger war ein Wandersmann, wie er im Buche steht. Nicht nur, weil es den geborenen Australier schnell in die Welt zog – nach Frankfurt (wo er studierte), nach London (von wo aus es ihn ständig auch aufs Land zog) und schließlich in die USA, wo er 1961 im Alter von 79 Jahren verstarb. Grainger war auch musikalisch ständig in Bewegung. Er machte als Konzertpianist Karriere und veröffentlichte 1925 die erste Kompletteinspielung der Chopin-Klaviersonate op. 58. Und wenn er nicht gerade quer durch die internationalen Konzerthäuser tourte, schnappte er sich Papier, Stift und einen Edison-Bell-Zylinder, um sich ähnlich wie Béla Bartók auch als Musikethnologe zu betätigen. Bei seinen Stippvisiten etwa der Häfen von England oder Dänemark schaute er dem singenden Volk aufs Maul, nahm eifrig Lieder auf, um sie dann neu zu arrangieren. Und Grainger tat dies mit derart viel Geschick, dass Benjamin Britten ihn darin später einmal als seinen absoluten Lehrmeister bezeichnete.
In der jetzt zum 50. Todestag von Grainger veröffentlichten Box nehmen denn auch all diese bodenständigen und sich sofort ins Ohr und Gemüt schmiegenden Arrangements den Löwenanteil ein. Aus einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten stammen all die Aufnahmen, die jetzt noch einmal zu Ehren Graingers gebündelt wurden. Der musikalische Bogen reicht darüber hinaus von zahlreichen kleinen und großen Klavierstücken, die Grainger auch für Kinder geschrieben hat, bis hin zu Orchesterwerken wie etwa der Händel-Fantasie „Handel in the Strand“, die für den Orchesterzeremonienmeister Leopold Stokowski entstand. Zu den vielen hier erstmals auf CD vorliegenden Highlights gehören aber auch die Vertonungen von Texten etwa von Rudyard „Mr. Dschungelbuch“ Kipling sowie herrlich süffige Tschaikowski- und Strauss-Transkriptionen für Klavier. Leider aber hat es der Shanty „Shallow Brown“ hier nur in der konventionellen Fassung für Bariton und Klavier auf Tonträger geschafft. Weit „verwegener“ wäre da doch Graingers Nachbearbeitung für Sopran, Chor und Kammerorchester samt Ukulelen und Mandolinen gewesen!

Guido Fischer, 20.03.2021



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