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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Road To The Sun

Pat Metheny

Modern Records/Warner 405053863932
(57 Min., k. A.)

Die Möglichkeiten, Jazz, Country und Rock originell zu kombinieren, hat Pat Metheny längst ausgelotet. Seinen Traum, mit einem computergesteuerten Orchestrion zu konzertieren, hat er sich ebenfalls schon verwirklicht. Was bleibt offen? Nicht viel. Oder hofft er auf Anerkennung in der „klassischen“ Gitarrenwelt? Aber die ist ihm bei allen, die keine Scheuklappen tragen, schon lange sicher. Dennoch hat er nun ein Gitarrenalbum vorgelegt, das mit fast allem bricht, was das Bild vom Sunnyboy aus Leeʼs Summit im amerikanischen Bundesstaat Missouri bislang prägte: Er lässt sich tatsächlich auf die klassische akustische Gitarre ein und erweist sich erneut als über jeden Zweifel erhabener Meister.
Wie es in diesem anderen Feld, dem klassischen, üblich ist, komponierte Metheny lediglich die Stücke und überließ anderen die Aufführung. Jason Vieaux begibt sich auf die „Four Paths Of Light“, ein viersätziges Werk mit einem überbordend virtuosen ersten Satz, einem zurückhaltenden zweiten, einem tänzerischen dritten und einem ausdrucksstarken Finale. Immer wieder schimmern dabei Figuren durch, wie sie Metheny in seinen Fusion-Stücken verwendet – aber sie stehen keinesfalls offenkundig im Vordergrund, sondern wirken dezent als Bestandteil der neuen Komposition. Dennoch ist eindeutig: Der Kontrast zwischen romantisch schwebenden Melodien und dichten Begleitfiguren oder die Integration einer zweiten Melodie in die Begleitung wurzelt tief in Methenys musikalischer DNA.
Auch die für das Los Angeles Guitar Quartet komponierte Suite „Road To The Sun“ weist eine Fülle von Metheny-Charakteristika auf, die auf seine Herkunft aus Country und Folk sowie auf Methenys üppige Fusionnummern verweisen. Zweimal unterstützt er das Virtuosenquartett aus dem Hintergrund als unauffälliger Rhythmusgitarrist. Zu guter Letzt interpretiert er auf einer 42-saitigen Spezialgitarre Arvo Pärts „Für Alina“, wobei er mit dem Kontrast zwischen hellen Melodien und an den Klang einer Zither erinnernden Tonsprengseln einerseits und dunklen, lang aushallenden Tönen andererseits eine meditative, mystische Atmosphäre schafft. Dass er zeitgenössische Musik derart sensibel interpretiert, bereichert das bisherige Bild von Pat Metheny um eine weitere Facette. Gut, dass er sich immer wieder auf Neuland wagt.

Werner Stiefele, 06.03.2021



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