Es ist eine der großen Love-Stories der Antike: Die ägyptische Prinzessin Cleopatra, die den römischen Imperator Cäsar bei dessen Feldzug nach Ägypten bezirzt; historisch verbürgt ist zumindest, dass sie - so auch am Ende dieses Werkes - zur ägyptischen Herrscherin eingesetzt worden ist. Händels Oper zu einem Libretto von Nicola Haym (entstanden 1723) schildert den Machtkampf der Geschwister Cleopatra und Ptolemäus und ist eine der beliebtesten Opern Händels, dramaturgisch schlüssig und voll großer Arien und Ensembles und zu Herzen gehender Musik.
Händels Meisterwerk gibt es in einem konzertanten Mitschnitt aus dem Wiener Konzerthaus zu erleben. Minkowski und sein französisches Ensemble - momentan zweifellos eines der führenden für Barockrepertoire, besonders für Händel - glänzen auch hier durch ein farbenreiches, zupackendes Spiel.
In dem überwiegend jungen, multinationalen und stilsicheren Sängerensemble, sind besonders die Partien des Cäsar und der Cleopatra hervorzuheben. Beeindruckend in der umfangreichen Titelpartie die Jugoslawin Marijana Miljanovič mit einer dunkel timbrierten, beinahe androgynen Stimme und kraftvoller, stimmlich flexibler Gestaltung. Ebenfalls überzeugend Magdalena Kožená als Cleopatra, wenngleich sie auf klangliche Extreme - wie bei einigen ihrer frühen Händel-Aufnahmen - verzichtet. Etwas enttäuschend hingegen Anne Sofie von Otter als Sesto mit angestrengt klingender Stimme. Der Konzertmitschnitt, entstanden im Anschluss an mehrere szenische Aufführungen, hat zwar den Vorteil einer besonderen Authentizität und zeugt von einem hohen technischen und künstlerischen Niveau. Bei dem fast vierstündigen Pensum stellte sich allerdings eine gewisse stimmliche Ermattung bei einigen Sängern ein, die bei einer Studioproduktion so nicht auftritt. Auch einige Ungenauigkeiten im Orchester muss man in Kauf nehmen.
Insgesamt eine Aufnahme auf hohem Level, die aber leider nicht an die bisherigen Händel-Einspielungen von Dirigent und Orchester heranreicht.

Peter Overbeck, 19.07.2003



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