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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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SulaMadiana

Mino Cinelu, Nils Petter Molvær

BMG/Warner 405053862891
(51 Min., k. A.)

Nils Petter Molvær, der gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, ist immer wieder für überraschende Kollaborationen gut. So arbeitete der norwegische Trompeter in der jüngeren Vergangenheit unter anderem mit dem Techno-Produzenten Moritz von Oswald oder den Reggae-Legenden Sly & Robbie zusammen.
Wenn man weiß, wie gut diese ungewöhnlichen Kombinationen funktioniert haben, wird man von der Qualität der Duo-Einspielung „SulaMadiana“ nicht überrascht sein. Denn mit dem französischen, in Brooklyn lebenden Schlagwerker Mino Cinelu teilt der stille Nordmann einiges: den starken Bezug zu Miles Davis zum Beispiel, dessen Ästhetik Molvær fürs neue Jahrtausend weiterentwickelt hat und für den Cinelu Anfang der 1980er als Perkussionist tätig war.
Das ist auf „SulaMadiana“ besonders gut bei der Nummer „Rose Of Jericho“ zu hören, die von einem typischen Marcus-Miller-Groove aus der „We Want Miles“-Zeit getragen wird. Allerdings mit dem Unterschied, dass Cinelu und Molvær zu zweit einen Abwechslungsreichtum entfalten, für den Miles eine ganze Band brauchte. Ähnlich verhält es sich mit dem quirligen „Take The A Sharp Train“, das mit flirrender Triangel und einem hastigen Synthbass die Nervosität von Davisʼ „Decoy“ zitiert und Molvær zu ungewohnt hitzigen Notenkaskaden animiert.
Doch das ist nur eine der vielen Seiten des Albums, dessen Titel die Namen der beiden Inseln, von denen der Norweger und Cinelus Vater stammen, in einem fremdartig poetischen Wort vereint. Das passt hervorragend, weil die Aufnahme die verschiedensten Eiland-Assoziationen hervorruft.
Etwa die vollkommener Einsamkeit wie im Auftakt „Le Monde Qui Change“. Oder die der archaischen Zurückgeworfenheit auf die Ursprünge des Seins. Beklopftes Holz und ein hohler Knochen, der beim Hineinblasen ein Flöten erzeugt – das mögen die ersten Instrumente des Homo sapiens gewesen sein, denkt man, wenn man „Xingu“, „Kanno Mwen“ oder „Indianala“ hört.
Gleichzeitig klingt „SulaMadiana“ aber auch wie eine Weltreise mit moderner Elektronikgrundierung – mal wie im Manu Dibango gewidmeten Titelstück nach Afrika und, dank Cinelus Westerngitarre, den Prärien der USA. Auch darf man sich in Südamerika wähnen wie in „Tambou Madinina“ oder in einem menschenleeren Big Apple wie in „New York Stroll“, in dem Gegenstände rhythmisch im Wind zu klappern scheinen und aus einem verlassenen Radio ein dumpfer Club-Beat dringt.
Man kann es nicht anders sagen: Singend, hauchend, trommelnd, grummelnd, jauchzend, Saiten anschlagend und die Knöpfe ihrer Effektgeräte drehend machen der Franzose und der Norweger enorm viel aus den Möglichkeiten einer Insel.

Josef Engels, 24.10.2020



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