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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Space Sailors

Rymden

Jazzland/Edel 1079278JZL
(55 Min., 1/2020)

Zwei Jungs im Schweden der frühen 1970er-Jahre, die auf dem Klavier der Mutter und den Farbeimern des Vaters Stücke von The Sweet oder Deep Purple nachspielen: So begann die gemeinsame Geschichte von Pianist Esbjörn Svensson und Drummer Magnus Öström, die irgendwann zur Gründung des Piano-Trios e.s.t. führen sollte.
Die beiden Kinder von damals hätten sicher ihren Spaß gehabt an dem Auftakt der zweiten Einspielung des Trios Rymden, in dem Öström am Schlagzeug sitzt und e.s.t.-Bassist Dan Berglund beherzt in die Saiten greift. „The Life and Death of Hugo Drax“ klingt mit seinem verzerrten Bass und seinem pumpenden Schlagwerk nach Hardrock alter Schule, ganz so, wie es Magnus und der 2008 verstorbene Esbjörn liebten.
Aber auch wenn sich Rymden zu zwei Dritteln aus e.s.t. zusammensetzt und Berglunds Komposition „Söndan“ behutsam die einzigartig schwerelose Stimmung des Svensson-Klassikers „From Gagarinʼs Point of View“ heraufbeschwört – das 2017 gegründete Trio ist ein eigener Kosmos. Es liegt an dem Dritten im Bunde, dem norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft. Er hat einen speziellen Sinn für Skurrilitäten und harmonische Reibungen sowie ganz eigene Klangvorstellungen. So setzt er auf „Space Sailors“ neben dem Flügel auch E-Pianos, Moog-Synthesizer sowie eine Celesta ein. Retro-Sounds, die perfekt zu den Weltraum-Assoziationsräumen passen, die die Einspielung ausmachen.
Da fühlt man sich nicht nur an Led Zeppelins „Kashmir“ und die Textzeilen „Iʼm a traveler of both time and space“ erinnert („The Final Goodbye“), sondern wähnt sich auch in alten Science-Fiction-Serien mit hübsch albernen Titelmelodien („The Space Sailor“), im Prog-Rock-Universum von Bands wie Yes oder Pink Floyd („Arriving at Ramajay“) oder in der melancholischen Mondeinsamkeit chopinesk-nordischer Balladenkunst („My Life in a Mirror“).
Mit anderen Worten: Nach dem tastenden und etwas unentschiedenen Erstling „Reflections and Odysseys“ präsentieren sich Rymden als verschworener Bund von drei Jungs, die mit riffartigen Themen, dem regelmäßig aufscheinenden Humor und ihrem Verzicht auf ambitionierte Manierismen hörbar Spaß haben. Darauf ʼne Buddel voll Rum für die Weltallmatrosen!

Josef Engels, 10.10.2020



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