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Come In From the Rain

Solveig Slettahjell

ACT/Edel 1097412ACT
(44 Min., 1/2020)

Sie wurde berühmt dafür, dass sie mit ihrem adäquat benannten Slow Motion Quintet gewissermaßen die Zeit anhalten konnte. Und von dieser Qualität hat die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell auch über eine Dekade nach der letzten gemeinsamen Einspielung mit dem inzwischen aufgelösten Ensemble nichts eingebüßt.
Das zeigt eindrücklich der Album-Opener, der gleichzeitig das Titellied ist: „Come In From the Rain“ ist ein Paradebeispiel für Seelenruhe und Reduktion. Drummer Pål Hausken scheint sich vor jedem Snare-Schlag genau zu überlegen, ob er die Hand wirklich senken will, Bassist Trygve Waldemar Fiske spielt nur das Nötigste und Pianist Andreas Ulvo teilt die Akkorde aus wie ein bedächtiger Kartenspieler.
Auch wenn es auf der Einspielung mit „So I Borrow Your Smile“ aus der Feder Slettahjells, Tom Waitsʼ „Johnsburg, Illinois“ oder den Standards „How Deep Is the Ocean“ und „Round Midnight“ noch weitere Anklänge an die von der Norwegerin einst so hingebungsvoll gepflegte Zeitlupen-Ästhetik geben mag – Slow Motion war gestern.
Denn Solveig Slettahjell hat nicht nur Gefallen an schnelleren Tempi gefunden, wie das mit einem originellen, nach Küchenutensilien klingenden Percussion-Groove versehene „On the Street Where You Live“, das swingende „You're Driving Me Crazy” oder das an die Rohheit des frühen Rock 'n' Roll gemahnende „Now Or Never“ zeigen. Nein, sie geht mit leidenschaftlichen Scats der Ella Fitzgerald auch noch ordentlich aus sich raus.
Verbunden mit ihrer über die Jahre verfeinerten Balladenkunst, die von schmerzlich lange gehaltenen Tönen und minimalistischen stimmlichen Artikulations-Nuancen lebt, präsentiert die Norwegerin nun das gesamte Jazzsängerinnen-Paket. Den Hörer lässt Solveig Slettahjell mit diesem Zeugnis ihrer Reife jedenfalls nicht im Regen stehen.

Josef Engels, 19.09.2020



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