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Robert Schumann, Franz Schubert, Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozart, Gabriel Fauré, Maurice Ravel u. a.

Suzanne Danco. The Decca Recitals

Suzanne Danco, Guido Agosti, Phyllis Spurr, Erich Kleiber, Ernest Ansermet u. a.

Australian Eloquence/Klassik Center Kassel ELQ4840868
(555 Min., 1948–1957) 8 CDs

Die 1911 in Brüssel geborene belgische Sopranistin Suzanne Danco war eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts. Ihre Karriere auf den Bühnen und Podien der Welt begann in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre und endete im Jahre 1970. Danach setzte die Sängerin noch ihre Lehrtätigkeit in Siena fort. Im Jahre 2000 ist sie verstorben. Die vorliegende Box repräsentiert ihre Vielseitigkeit anhand von acht Rezitals für das Label Decca, die Danco zwischen 1948 und 1957 eingespielt hat. Das Repertoire umfasst Oper, Lieder und Oratorium. Im Bereich der geistlichen Musik fallen zwei Bach-Solokantaten („Jauchzet Gott in allen Landen“ und „Weichet nur, betrübte Schatten“) ins Auge, die Danco unter Karl Münchinger eingespielt hat. Im Liedbereich gibt es sowohl Orchesterlieder (darunter zwei Versionen von Ravels „Shéhérazade“ unter Ansermet und Berliozʼ „Nuits d’été“) als auch eine Menge Klavierlieder. Neben französischem Repertoire (Fauré, Debussy) hat sich Danco ausführlich dem deutschen Lied gewidmet und dabei, ihrer Zeit voraus, auch Robert Schumanns Liederzyklen op. 39 und op. 48 eingespielt. Sie interpretiert diese Lieder mit sattem französischen Akzent und sehr vom Melos her gedacht, aber – so stellt man etwa in Erzähl-Texten wie Eichendorffs „Waldesgespräch“ fest – durchaus mit detailliertem Verständnis des Inhalts. Sehr zuhause scheint sie sich auch bei Strauss zu fühlen: Dessen „Ständchen“ und „Traum durch die Dämmerung“ zählen zu den Höhepunkten der Lied-Sektion. Das Opernrepertoire ist in der ganzen Breite abgedeckt, die Danco auch live auf der Bühne bedient hat: Debussys Mélisande ist ebenso repräsentiert wie Verdis Traviata und Mozarts Cherubino. Suzanne Danco erfreut die Hörerschaft mit einem individuellen Timbre, das von einem feinen, schnellen Vibrato geprägt ist und vor allem aus diesem Grund durchaus etwas „Altertümliches“ hat. Allerdings überzeugt bis heute die schiere Schönheit ihres Materials und die sichere technische Führung der Stimme in jeglichem Repertoire-Bereich. Zweifellos eine der ganz Großen im vergangenen Jahrhundert. Die vorliegende Box bietet die vorzügliche Gelegenheit, Dancos Kunst in all ihren Facetten kennenzulernen.

Michael Wersin, 05.09.2020



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