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N° 1224
23. - 29.10.2021

nächste Aktualisierung
am 30.10.2021



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Soley

Grégory Privat

Buddham Jazz/Broken Silence 22745
(68 Min., 2/2019)

Martinique ist geprägt von einer starken Tanztradition. Von der Karibikinsel aus trat beispielsweise der Beguine seinen weltweiten Siegeszug an, von dem unter anderem der Cole-Porter-Song „Begin the Beguine“ aus dem Jahr 1935 kündet.
Mag die Musik des auf Martinique geborenen Pianisten Grégory Privat auch so weit wie sein Wohnort Paris von jeglicher angestaubter exotischer Inselromantik entfernt liegen – sie ist dennoch überall durchpulst von tänzerischer Gestik und karibischer Wärme.
Nicht umsonst trägt eines der Schlüsselstücke auf Privats fünftem Album den Titel „D.N.A.“: Der Mittdreißiger feiert da ganz bewusst sein kulturelles Erbe. Es beschränkt sich jedoch keineswegs auf afrokaribische Grooves und sonnendurchflutete Kadenzen.
Man hört da unter anderem eine orientalisch wirkende Melodie, ein verzerrtes Jazzrock-E-Piano, nonverbalen Kopfstimmengesang im Geiste eines Bobby McFerrin, einen ostinaten Bass, der anfangs so klingt wie eine nordafrikanische Guembri-Laute, Assonanzen an die Schweden von E.S.T. und an die mitteleuropäische Klassik. Privats Wurzeln liegen überall – das kann man den Ausführungen einer Frauenstimme entnehmen, die am Ende des Stücks die Ergebnisse eines Gen-Tests vorträgt.
Dass „Soley“ nun noch persönlicher erscheint als der ahnenforschende Vorgänger „Family Tree“, liegt daran, dass Privat den Gesang für sich entdeckt hat. Mit der Ausnahme des Titelstücks und der Nummer „Las“ wird die Stimme aber nicht als Überbringer von Textnachrichten gebraucht, sondern instrumental eingesetzt. Damit – und mit der Soundpalette eines Nord-Stage-2-Synthesizers – weitet Privat das Spektrum seiner Kompositionen über das für ein Piano-Trio Handelsübliche weit aus. Zumal auch seine kongenialen Partner Chris Jennings am Kontrabass und Tilo Bertholo an den Drums nicht vor punktuellen klanglichen Modifikationen zurückschrecken.
Dabei wirkt „Soley“ an keiner Stelle angestrengt ambitioniert oder bemüht zeitgeistig, sondern bewahrt sich eine unverdorbene, beinahe kindliche Freude am Erzeugen von melodischer Strahlkraft und federnden Rhythmen mit kleinen Widerhaken. Wer gerade dringend gute Laune benötigt: Hier wird er fündig.

Josef Engels, 02.05.2020



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