Responsive image
Johannes Brahms

Brahms. The Orchestral Music

Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur, Salvatore Accardo, Heinrich Schiff, Misha Dichter

Eloquence/Klassik Center Kassel ELQ4840144
(507 Min., 1973–1981) 8 CDs

Zwischen 1973 und 1980 nahm Kurt Masur mit dem Leipziger Gewandhausorchester die gesamte Orchestermusik von Johannes Brahms auf. Diese Box enthält auf acht CDs diese ursprünglich für Philips produzierten Einspielungen. Neben den Sinfonien sind auch die beiden Ouvertüren, die beiden Serenaden, die Ungarischen Tänze und die vier Konzerte enthalten. Die Einspielungen zeichnen sich generell durch ein sehr weiträumiges, leicht halliges Klangbild aus, an dem sicher die Tontechnik ihren Anteil hat. Stärker jedoch als dieser für heutige Ohren etwas unvertraute Sound fällt allerdings die elegische Ruhe und die Leuchtkraft der Wiedergabe ins Gewicht – Qualitäten, die durchaus als Alleinstellungsmerkmal von Kurt Masurs Brahms gelten können und von der erfolgreichen Arbeit zeugen, die Masur in seinen fast dreißig Leipziger Jahren mit dem famosen Ensemble geleistet hat.
Kaum mehr bekannt ist heute der jüdisch-polnische Pianist Misha Dichter, ein Enkelschüler von Artur Schnabel, der 1977 die beiden Klavierkonzerte unter Masur eingespielt hat. Es handelt sich um solide Versionen mit einem nicht allzu elegant gestalteten Solopart – besonders die technischen Schwierigkeiten des zweiten Konzertes wurden wenige Jahre später von Krystian Zimerman unter Leonard Bernstein weitaus überzeugender bewältigt. Die Einspielung des Doppelkonzertes ist geprägt vom besonderen Ton beider Solisten: Salvatore Accardo und Heinrich Schiff erfreuen sich hörbar am satten Timbre des jeweils anderen, hüten sich aber vor allzu vordergründigen Romantizismen. Eine wegen ihrer geradlinigen Klarheit bei gleichzeitig wuchtiger Klangfülle sehr hörenswerte Aufnahme, sowie überhaupt die gesamte Box trotz qualitativer Schwankungen ein sehr reizvolles Angebot zum Kennenlernen des ganzen Orchester-Brahms ist.

Michael Wersin, 29.02.2020



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top