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Warna

Joey Alexander

Verve/Universal 0848839
(62 Min., 6/2019)

Eigentlich hat Joey Alexander schon alles erreicht, was man sich als Jazzmusiker so wünschen kann: Grammy-Nominierungen, den Respekt von Wynton Marsalis und Herbie Hancock, Plattenaufnahmen mit Prominenten wie Joshua Redman oder Chris Potter – und jetzt auch noch einen Vertrag bei einem Major-Label. Dass sich der auf Bali geborene Pianist nach all diesen Erfolgen bald zufrieden zur Ruhe setzt, ist allerdings nicht zu befürchten. Denn Joey Alexander ist 16. Und fängt jetzt erst richtig an.
Das ist zumindest die Botschaft hinter seinem Verve-Debüt „Warna“, des inzwischen schon fünften Albums des indonesischen Wunderkindes, das seit 2014 aufgrund seines außerordentlichen Könnens mit Erlaubnis der US-Einwanderungsbehörde in New York lebt. Hatte Alexander bei den vorhergehenden Aufnahmen seine für sein Alter erstaunlich abgeklärte Klavierbeherrschung in den Dienst von Standardware und Monk-Material gestellt, so lässt er nun seine eigene Stimme hören. Mit Ausnahme von Stings „Fragile“ und Joe Hendersons „Inner Urge“ stammen alle Stücke auf „Warna“ (was auf Indonesisch so viel wie „Farbe“ bedeutet) von dem jungen Pianisten.
Sollte sich hinter dem Einsatz von Flöte und Percussion-Instrumenten bei einigen Stücken ein Verweis auf seine indonesische Heimat verbergen, so ist er nur ganz dezent gesetzt. Nach Gamelanmusik klingt das jedenfalls nicht. Wohl aber nach Gotteshaus, wie es sich etwa in dem spirituell aufwallenden „Tis Our Prayer“ manifestiert.
Gewiss: Joey Alexander erfindet hier das Rad des Mainstreamjazz nicht neu. Wie selbstverständlich er aber auf Augenhöhe mit seinen namhaften Begleitern Larry Grenadier am Bass und Kendrick Scott an den Drums interagiert und sie immer wieder zu verspielten Höchstleistungen anspornt – das ist schon besonders. Wer weiß, was noch kommt, wenn Joey Alexander erst mal 17 ist?

Josef Engels, 22.02.2020



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