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Robert Schumann, Françis Poulenc, Alexander von Zemlinsky

Reine de cœur (Lieder)

Hanna-Elisabeth Müller, Juliane Ruf

Pentatone/Naxos PTC 5186810
(66 Min., 12/2018)

Kaum haben wir die erste Einspielung genug bewundert, folgt schon die zweite: Hanna-Elisabeth Müller präsentiert mit „Reine de cœur“ wieder ein sehr persönlich geprägtes Lied-Programm und knüpft damit an den Erfolg von „Traumgekrönt“ (2017, mit Liedern von Strauss, Berg und Schönberg) an. Auch Müllers ebenso einfühlsame wie fingerfertige Begleiterin Juliane Ruf ist wieder dabei, wodurch die hohe Qualität des Zusammenspiels vom ersten Moment an garantiert ist.
Müllers Sopranstimme funktioniert mit einzigartiger Reibungslosigkeit, das technische Finish ermöglicht eine eindrückliche, ja eindringliche Textnähe bei gleichzeitig perfektem Legato: absolut bruchlose Linienführung trotz der erheblichen Mühen, die eine korrekte Artikulation der deutschen Sprache – das Desiderat des strikten Beachtens von Wort-, ja oft von Silbengrenzen – stets mit sich bringt. Hanna-Elisabeth Müller führt den Hörer quasi an der kurzen Leine: Die manchmal fast schmerzliche Intensität ihres Singens und Sprechens (es ist tatsächlich immer gleichwertig beides) lässt einen niemals los, weder in den mühelos Wort für Wort verstehbaren deutschen Texten der Schumann- und Zemlinsky-Lieder noch in den französischen Texten der beiden Poulenc-Zyklen.
Ja, und überhaupt, das Programm: Die symmetrische Anordnung eines unbekannten Zemlinsky-Zyklus („Walzer-Gesänge nach toskanischen Liedern von Ferdinand Gregorovius“) im Zentrum, zweier wenig bekannter Poulenc-Zyklen darum herum und zweier kaum bekannter Schumann-Opera als Eck-Stücke ist wirklich ein Geschenk für die Lied-Hörerschaft, wenn die Darbietung und damit die Vermittlung des Unvertrauten stimmen.
Dass dies hier der Fall ist, liegt auch an der schon erwähnten Kompetenz der Begleiterin Juliane Ruf, die den ebenso reiz- wie anspruchsvollen Klaviersätzen ein Höchstmaß an Schönheit und Bedeutsamkeit zu entlocken versteht. Gerade darum würde man sich wünschen, der Tonmeister hätte ihr Spiel insgesamt noch ein wenig direkter neben den Gesang gestellt.

Michael Wersin, 22.02.2020



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