Wer als einfacher Ensemblemusiker Ambitionen auf die Solistenrolle hat, dem wird das Leben selten leicht gemacht. "Einmal im Konzert gespielt – nun wird er übermütig", hieß es selbst über Carl Philipp Emanuel Bach, als der versuchte, sich von den beschränkten Aufgaben eines Kammercembalisten zu emanzipieren, die ihm Friedrich der Große zugewiesen hatte. Wie anders sieht das beim Freiburger Barockorchester aus! Mit seinen Einspielungen von Konzerten der Bach-Söhne macht sich das Ensemble daran, das Können seiner Mitglieder und einiger enger Freunde systematisch unter Beweis zu stellen. Das Ensemble zeigt so sein Potenzial, und die Musiker, die gerade mit dem Begleiten dran sind, scheinen es entspannter zu tun als sonst. Carl Philipp Emanuel Bachs Konzerten kommt dieses kollegiale Grundgefühl besonders zu Gute, denn gerade von ambitionierten Alte-Musik-Ensembles werden seine gewiss ausdruckskräftigen Orchesterparts ja gerne ins Groteske überartikuliert. Diese sehr klanglich homogene, intonationsreine und sprechend belebte Einspielung aber trifft den richtigen Ton zwischen Bachs genialischem Spleen und respektvollem Traditionsbezug. Auf höchstem Niveau sind die verschattet-elegischen, aber ganz unsentimentalen Mittelsätzen des Cellokonzerts Wq 171 und des Oboenkonzerts Wq 164 musiziert; was die kompositorisch nicht ganz so starken Ecksätze betrifft, könnte man sich besonders bei Kristin von der Goltz einen etwas weicheren, verbindlicheren Ton vorstellen. Ins lächelnde Antlitz Bachs lassen uns die Interpreten dagegen im berühmten Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier blicken: So schlagfertig und auf geistreiche Art witzig hat man dieses Stück noch nicht gehört. Kein Wunder jedenfalls, dass Carl Philipp ein Freund Lessings war!

Carsten Niemann, 01.01.1970



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